Mindful Monday – Personen sind frei erfunden

„Personen und Handlung sind frei erfunden!“

Den Satz kennt Ihr, oder? Steht oft am Ende von Büchern oder im Abspann von Filmen. Meist geht der Text dazu noch weiter: „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.“ Aber ich finde, das Leben schreibt auch gute Geschichten, wenn nicht sogar die besten.

Mir persönlich liegt ja das Herz immer sehr auf der Zunge, bin ja an sich und für vieles ziemlich offen und mir ist es egal, was andere Leute über mich denken, solange ich mit meinem Reden und Handeln niemanden verletze. Sonst gäbe es auch diesen Blog nicht, wenn ich mich für irgendetwas schämen oder genieren würde.

Unseren Töchtern habe ich von klein auf eingetrichtert, wir schämen uns für nichts, was wir tun, wir stehen dazu, auch wenn’s mal uncool ist. Das funktioniert bis heute, obwohl die Mädels es nicht immer klasse finden, wenn Mama auf dem Tresen tanzt, aber da müssen sie durch und es ist ja auch schon weniger geworden…

Meine Mutter wiederum hat an einigen Bildern auf dem Blog etwas auszusetzen und an manchen Themen. Aber sie akzeptiert alles und nimmt’s mit Galgenhumor: „Brauchst Dich nicht wundern, wenn Du wieder 10 neue Scheiche als Follower hast…“!

Aber kommen wir noch einmal auf die Inhalte zurück, ich würde gerne, da muss meine Mutter dann durch (mein Mann, meine Töchter, mein Freund, mein Liebhaber und meine Englischlehrerin auch), noch ein bisschen offener schreiben und zudem ein paar intimere, unbequemere und heiklere Themen aufgreifen. Ich würde gerne über Beziehungen und auch Sexualität im „Best-Ager“ Lebensabschnitt schreiben, über den Altersunterschied zwischen Paaren, Beziehungskonflikte, alternative Beziehungsmodelle oder auch über psychische Probleme oder Alltagsgeschichten, die das Leben schreibt.

Und genau von denen gibt es in meiner Familie und meinem Umfeld mehr als genug.

Ein Stoff, passt irgendwie auch zum heutigen Valentinstag, der mir gerade über der Computer-Tastatur rumschwebt ist Online-Dating, was mir persönlich komplett fremd ist, zählt man die Heiratsanträge auf Instagram nicht dazu, aber zwei ganz liebe Männer in meinem persönlichen Umfeld haben mich dazu gebracht, intensiver über das Thema nachzudenken und mich damit auseinanderzusetzen.

Soweit so gut, aber wie behandelt man das Thema auf dem Blog, und jetzt sind wir endlich wieder bei der Einleitung (bin wieder ganz schön ausgeschweift), nur dass bei mir die Personen nicht frei erfunden sind, sondern als Inspirationsquelle dienen.

Wie löse ich das am Charmantesten, wenn ich über Online-Dating schreibe und Beispiele anführe, dass die beiden Herren nicht erkannt werden? Klar, ich kann die Namen und das Alter ändern, aus dem Iraner mache ich einen Italiener und aus dem Staubsaugervertreter einen Verkäufer im Autohaus. Aber der Plot bleibt der gleiche wie im richtigen Leben. Also mir wäre es ja egal, ich bin ja nicht das Online-Date, aber die Herren möchten wahrscheinlich nicht erkannt werden, weder von Freunden, noch von Kollegen und Geschäftspartnern und schon gar nicht von der aktuellen Partnerin, auch wenn beim Einen das Online-Dating gerade ausgesetzt ist.

Da kommt die Frage auf, wieviele Menschen lesen überhaupt meinen Blog, die a) die beiden überhaupt „in Echt“ kennen, b) meine hervorragend gewählten Pseudonyme durchschauen könnten und c) bei dem speziellen Thema Online-Dating dann zwei und zwei zusammenzählen und die beiden entlarven könnten? Ich glaube, kaum jemand, denn meinen Blog schreibe ich ja nicht für meinen Bekanntenkreis.

Aber wie wir alle wissen, der Teufel steckt im Detail. Und wie der Zufall es will, liest dann genau dieses Thema jemand auf dem Blog, der nicht soll, interpretiert noch etwas dazu rein und eine Lawine kommt ins Rollen. Kennen wir alle. Und ich möchte nicht, dass sich am Ende jemand verraten und verkauft fühlt.

Der Blog ist nicht „Klatsch und Tratsch“, sondern mein Ventil, meinen Kopf, meine Gedanken, mein Leben und meinen Alltag zu sortieren.

Natürlich sind immer wieder Themen und Begebenheiten dabei, in die Dritte einbezogen sind bzw. deren Geschichte einfach zu gut zu einem Inhalt passen. Ich werde mir große Mühe geben, bei der Erfindung der Alter Egos der beiden Herren, damit die weiterhin mit mir einen Wein trinken gehen und über persönliche Dinge mit mir reden. Und bei allen weiteren Personen, über die ich vielleicht schreiben werde.

Die Fotos entstanden bei einem Fotoshooting mit Natalie Geiger. Bei Instagram: @natalie.cherryphotography

Mir liegt viel daran, zu erfahren, wie andere ticken, was sie bewegt und wie es hinter der Fassade ausschaut, deshalb sollen noch ein paar neue Themen auf dem Blog dazukommen. Und ich freue mich jetzt schon auf den Austausch dazu mit Euch.

Was haltet Ihr von den Themen, die mir im Kopf herumschwirren? Möchtet Ihr Euch dazu austauschen? Und wie geht Ihr mit Geschichten von „echten“ Personen um? Es macht ja doch einen Unterschied, ob wir über ein Buch, ein Kleid oder die neue Wandfarbe berichten und schreiben oder über ganz persönliche Themen von uns nahestehenden Menschen.

Habt einen „Mindful Monday“ und Happy Valentine’s Day
Eure Sigi

12 Comments

  1. Guten Morgen liebe Sigi,
    ganz ehrlich: Ich finde das sehr schwierig, denn oft weiß man nie, wie die von dir sorgsam gewählten Worte bei dem Mister oder Mrs X ankommen. Ich würde also wahrscheinlich die betreffenden Personen fragen, ob das ok wäre, wenn du verfremdet über sie berichtest. Denn manche lesen auch still mit…
    Das Zweite ist, dass der Leser, der die betreffenden Personen (er)kennt, wie du sagst, die Lawine lostritt, weil er etwas falsch versteht. Natürlich kann das immer passieren, aber wenn du es ‘nur’ mit dir ausmachen musst, ist das etwas anderes, als wenn du dir nahestehende Personen freiwillig oder unfreiwillig involvierst.

    Neue Themen finde ich gut, ich bin immer für ein bisschen Veränderung. Tabuisierte Themen, wenn du das mit Leichtigkeit für dich kannst, finde ich auch gut… Geschichten sind immer gut.

    Jetzt bin ich gespannt, was kommt und wie und ob du es umsetzt.

    Ein Drücker nach Nürnberg und einen sonnigen Montag
    Nicole

    • Du nimmst mir fast ein bisschen den Wind aus den Segeln liebe Nicole. Aber mal schauen wie ich die Brücke schlagen werde. Danke auf jeden Fall für Deine Anmerkungen und Tipps.
      Ganz liebe Grüße und ein Drücker zurück
      Sigi

  2. Aber immer, Sigi….wobei….ich vermeide es auf meinem Blog, weil ich zu viele kenne, die mich nicht so kennen (und auch nicht kennenlernen sollen), wie ich im privaten privaten bin und die meinen Blog lesen.
    Im Gegenteil…ich bin sehr vorsichtig. Einerseits will ich niemanden bloßstellen und auch niemanden verletzen.
    Ich finde das sehr schade und hatte sogar schon überleget einen ganz anonymen Blog anzufangen. Eine Art Tagebuch ala “Das verbotene Notizbuch”…
    Ich bin also gespannt.
    Liebe Grüße aus Middelburg.

    • Ja, das ist nicht einfach Nicole. Es gibt zu allem ein Für und Wider. Und das mit dem anonymen Blog ist auch nicht so einfach, weil am Ende (ich habe mich natürlich erkundigt) musst Du ja ein Impressum angeben, und das bist dann ja auch wieder Du. Wie man es dreht und wendet….
      Herzliche Grüße nach Middelburg und hab eine wunderbare Zeit.
      Sigi

  3. Hallo Sigi,
    die Themen finde ich spannend und warum soll darüber nicht gesprochen bzw. geschrieben werden. Wenn es um Menschen in näherem Umfeld geht, hmmm, da weiß ich nicht so recht. Das würde ich vom Thema abhängig machen. Entweder vorher fragen, ob sie das ok finden oder du musst ganz geschickt umschreiben. Du wirst bestimmt das richtige tun.
    Liebe Grüße
    Gudrun

    • Liebe Gudrun, freut mich, dass Du auch der Meinung bist, dass man alle Themen ansprechen kann und mit den Personen aus dem näheren Umfeld bin ich bei Dir, da muss man gut abwägen, fragen oder eine gute Fantasie entwicklen.
      Danke für den Kommentar und eine schöne Woche für Dich.
      Sigi

  4. Mmh, ich weiß nicht, da bin ich wahrscheinlich zu “gschamig”, wie man bei uns sagt. Eigentlich hast du recht, frau sollte darüber reden dürfen über diese Themen. Ich finde es aber, ehrlich gesagt, schon unter Freundinnen schwierig. Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Das war bei mir schon immer so. Erziehung? Kann sein. Privates, Familie und Bekannte lasse ich meistens weg. Sonst würde ich sie wahrscheinlich um Erlaubnis fragen. Ist es nicht ein Vertrauensbruch, wenn man solche Sachen weiter gibt? ich weiß es nicht. Es wären auf jeden Fall heiße Eisen im wahrsten Sinne des Wortes. Lesen werde ich wie immer alles von dir. Und ein bisschen Mut kann ja auch nie schaden. Alles Liebe Ursula

    • Also Ursula, nach deinem neuesten Reel würde ich sagen, du bist nicht “gschamig”, aber ich weiß, was du meinst. Und fragen sollte man die Personen schon, kommt immer darauf an, wie sehr man sie verändern kann und um welches Thema es sich handelt. Aber ich tue mir in der Tat auch auf dem Blog und mit nicht so eng befreundeten Personen leichter, über alle mögliche Themen zu reden. Dieser Text hier mit den beiden Männern war so eine Art kleiner Test (hab ja noch nicht aus dem Nähkästchen geplaudert), der eine hat sich bis heute nicht gemeldet, hat sich also nicht erkannt (ist treuer Blog-Leser), der andere wurde informiert, fand es gut wie ich den Beitrag geschrieben habe und hat sogar weitererzählt, dass er im Blogbeitrag vorkommt.
      Du wirst demnächst in einem Blogbeitrag vorkommen, aber das ist ja ganz offiziell und das Thema alles andere als ein Tabuthema.
      Ganz liebe Grüße nach Regensburg
      Sigi

  5. Liebe Sigi, zuerst einmal – was sind das denn bitte für geniale Bilder von dir, da haben das Model und die Fotografin ganze Arbeit geleistet. Bei den Themen bin ich ganz bei dir: es ist dein Blog und es liegt an dir, was und wie viel du darin berichten möchtest. Jedenfalls finde ich sie total interessant und ansprechend und ich würde mir freuen, wenn du darüber berichten würdest. Zwei der Themen schweben auch mir schon seit einiger Zeit im Kopf herum und müssen noch ein bisschen ausgereift und ausgefeilt werden. Natürlich greife ich bei meinen Beiträgen auch immer wieder gerne auf echte Geschichten zurück, da ich dazu eben einen besseren Zugang habe und sie anschaulicher einbetten kann. Da eigentlich nur die engste Familie meinen Blog und meinen Instagram-Account kennt, hat sich mir diese Frage nach der Erkennbarkeit der Personen aus den Geschichten im Wesentlichen noch nicht gestellt.
    Hab einen ganz wunderbaren Tag, fühl dich gedrückt und alles, alles Liebe Gesa

    • Liebe Gesa,
      ich hatte dich beim Schreiben des Beitrags öfter im Kopf, weil du gerne über wahre Geschichten in deinen Beiträgen berichtest. Das ist mir von Anfang an aufgefallen. Natürlich darf man niemanden damit brüskieren, aber ich denke, wenn es brenzlig werden könnte, werde ich auf jeden Fall um Erlaubnis bitten.
      Und zu den Themen: Ich weiß auch noch nicht wie ich sie angehen werden, aber die Idee ist einfach da und das Interesse von den Leser/innen auch. Und Danke, dass Du mich darin bestärkst. Und ein weiteres Dankeschön für Dein Kompliment zu den Bildern. Wir haben an 4 Tagen immer wieder zusammen fotografiert und Natalie hat wunderbare Locations hier in Nürnberg ausgesucht.
      Herzliche Grüße zu Dir und jetzt schon mal schönes Wochenende liebe Gesa
      Alles Liebe
      Sigi

  6. Hi Sigi,
    erstmal sind das wieder wunderbare Fotos! Und ich liebe die Denkweise, die du lebst und auch deinen Töchtern vermittelst hast – ganz toll! Ich finde die Themen superspannend und kann mir aber auch gleichzeitig total vorstellen, dass es schwierig ist, über solche Geschichten zu schreiben. Kennen diese beiden denn deinen Blog? Ich würde vermutlich immer sehr allgemein schreiben und vielleicht sogar Geschlechter tauschen oder noch “weitere Entfernungen” bilden (sagen, es war eine Arbeitskollegin statt, wie in Wirklichkeit, ein enger Freund, z. B.) Oder aber die Leute fragen, wenn du wissen, dass du schreibst, ob das für sie ok wäre.
    Das mit den Fotos in deiner Familie kann ich mir vorstellen, gerade für die Elterngeneration ist das ja nahezu unverständlich, wie viel Freude das auch machen kann (dazu zähle ich meine Eltern jetzt auch mal – so unterschiedlich kann das sein – aber selbst in meinem Alter gibt es da ja noch Riiiiesenunterschiede, auch wenn es prozentual vermutlich schon mehr Menschen auf Social Media sind).
    Ganz liebe Grüße und ich freue mich auch weiterhin bereichernde, spannenden Beiträge!

    • Danke Dir Vanessa, das freut mich sehr, was Du schreibst, Du bist für mich ja immer das Maß der jüngeren Generation. Mit den beiden Männern habe ich schon gesprochen und möchte demnächst Interviews führen, wobei ich mir noch nicht ganz über die Richtung im Klaren bin. Und ich denke wir werden gemeinsam einen Weg finden, die Identitäten zu verschleiern.
      Hab ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Werkeln
      Sigi

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