Mindful Monday – Peinlich, peinlich

Rein in den Fettnapf und wie wieder raus?

Blöde Situationen, Pleiten, Pech und Pannen gehören einfach zum Leben dazu und ereignen sich immer im unpassendsten Moment. Gibt es überhaupt einen passenden?

Und als ob das nicht reicht, dass die Situation an sich passiert, werde ich für meinen Teil dazu auch noch Knallrot im Gesicht. Wer kennt’s?

Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Fauxpas, Fettnäpfchen und komischen Situationen. Man kann sich für sich selbst schämen oder fremdschämen. Situationen können peinlich sein, weil sie lustig oder von Schadenfreude geprägt sind. Aber manchmal ist man auch peinlich berührt, und das nicht in Richtung fremdschämen, sondern man schwankt zwischen Entsetzen und Empathie. Auffallen, Fehler machen, gegen die vorherrschenden Normen und Erwartungen handeln, sich blamieren, jemanden unabsichtlich verletzen, das alles passiert jedem einmal, dagegen ist keiner gefeit.

Und dennoch ist niemand gerne der Mittelpunkt unerwünschter Aufmerksamkeit, aber das kann sehr schnell passieren. Ein großer Fleck auf der Bluse, ein offener Hosenstall oder andere Kleidungsunfälle, wir schmeißen etwas um, unser Körper gibt unüberhörbare Laute von sich, die email oder WhatsApp geht an den falschen Adressaten, wir sagen etwas mega Peinliches und Unangebrachtes, haben gelästert oder etwas ausgeplaudert, werden erwischt und, und, und… Beispiele hätte ich noch so einige auf Lager.

Ja, und dann wird man Rot, zieht den Kopf ein, macht sich klein, möchte im Erdboden versinken oder einfach nur weglaufen. Und im Nachhinein kommt einem die blöde Situation immer wieder in den Sinn und lässt die Gedanken kreisen. Viel zu viel Aufhebens um meistens nur eine Kleinigkeit, die ein bisschen später oder morgen schon wieder vergessen ist.

Ich habe ja schon öfter geschrieben, dass ich meinen Kindern von klein auf eingetrichtert habe, dass wir uns für nichts schämen und so halte ich das selbst auch. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass wir immer „die Sau rauslassen, komme was da wolle“. Es geht einfach darum, dass Scham nicht negativ behaftet sein muss, sondern dass wir von einem gesunden Schamgefühl getragen werden, das unsere eigenen Grenzen und Werte und die anderer respektiert und somit ein sinnvolles, gesittetes und geregeltes Miteinander möglich macht. Umso unbefangener wir selbst mit bestimmten Situationen und Geschehnissen umgehen, umso weniger wachsen sie sich zum Drama aus. Und diese Unbefangenheit kann man trainieren.

Klar habe ich auch Schamgefühl und auch mir passiert mal der eine oder andere Schnitzer, und es wird immer Situationen geben, die mir unbehaglich sind, die nicht nach Plan laufen oder sogar ganz aus dem Ruder. Aber es ist, wie es ist, also passiert und ich kann den Moment oder das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, mir bleibt nur, mit der Situation souverän umzugehen und das Beste daraus zu machen, dann ist das Thema schneller abgehakt, als man überhaupt darüber nachdenken kann.

Ich hatte mal eine große Business-Peinlichkeit. Ein Meeting mit einem großen Kunden stand an. Es waren noch ein paar Details zu klären und es war mein Job diesbezüglich mit Kunden (mit dem Chef persönlich, bisher sehr förmliche Geschäftsbeziehung, meine Generation) zu telefonieren:

Ring, ring – ring, ring – ring, ring

Kunde: Guten Tag, hier Kunde Mustermann.

Ich: (singe fröhlich, laut und aufgekratzt in den Hörer) Hallo, hier Klede, nur noch Drei mal schlafen, dann sehen wir uns wieder, trallala!

Kunde: konsternierte Stille

Ich: peinliche Stille

Mein Kollege (mir gegenüber): klatscht sich mit der Hand an die Stirn und verdreht die Augen

Kunde: fängt an zu lachen

Ich: lache mit

Drei Tage später erschien ich mit hochrotem Kopf zum Meeting und tat mir anfangs sehr schwer, den Kunden anzuschauen. Aber ich hab’s überlebt.

Da gibt es übrigens ein schönes englisches Idiom dazu (ich hab ja schon erzählt, dass ich angefangen habe, mein Englisch zu verbessern):

„I lived to tell the tale“.

Take it easy
Um noch einmal auf meine Geschichte zurückzukommen, ein bisschen blamiert habe ich mich schon, aber der Kunde hat letztendlich gelacht. Was mich da geritten hat, weiß ich bis heute nicht, aber mitzulachen hat geholfen, die Situation zu entschärfen und zum eigentlichen Telefonat überzugehen.

Oft überhaupt das Beste, was man in so einer Situation machen kann, über sich selbst lachen und weitermachen.

Und es ist ja nicht unbedingt die Sache selbst, die uns aus dem Konzept bringt, ein schneller Blick über die Schulter, vielleicht hat es ja keiner mitbekommen, was uns gerade Peinliches passiert ist. Es ist mehr die Reaktion der anderen und auch unsere eigene, die zum Beispiel einen banalen Versprecher erst zur komischen Situation machen. Oder wenn man versucht, sich zu rechtfertigen und rauszureden und sich dabei immer weiter reinreitet…

Je fremder und dadurch unberechenbarer und kritischer die Zuschauer sind, um so peinlicher wird die Situation für einen selbst, denn unsere Aktion verursacht eine Reaktion und wir selbst haben es in der Hand, wie wir in peinlichen Situationen mit den Reaktionen anderer umgehen:

Reagiert jemand freundlich, sollte man das annehmen, nicht mehr drüber sprechen und weitermachen. Lacht jemand, wie in meinem Fall der Kunde, ist Mitlachen die beste Möglichkeit aus der Situation rauszukommen.

Ist allerdings jemand verärgert oder verletzt ist eine ehrliche Erklärung oder Entschuldigung notwendig. Und wenn keiner etwas gemerkt hat, sollte man selbst auch kein großes Aufheben um die Situation machen.

Und im Nachhinein sind diese Situationen oft gar nicht schlimm, sondern witzig, wie in meinem Beispiel, und wir haben eine Geschichte, die wir zu einem anderen Zeitpunkt unter viel Gelächter zum Besten geben können.

Am Ende des Tages kann ich feststellen:  wenn man mit seinen Stärken und Schwächen selbstbewusst umgeht, kann man auch eine peinliche Situation in die richtige Richtung lenken und unbeschadet zum Alltag übergehen.

Habt Ihr eine kleine peinliche Geschichte für mich? Wie geht Ihr mit diesen Situationen um? Ich freue mich auf Eure Kommentare. Habt einen Mindful Monday.

14 Comments

  1. Ich glaube, am Ende ist es der Umgang mit der Geschichte, was wir daraus machen. Und dann kann man oft drüber lachen oder sagen: puh, das war aber blöd damals.
    Ich finde es wichtig, darüber zu sprechen, wenn einer sich unwohl gefühlt hat, sich zu entschuldigen, wenn man jemanden verletzt hat. Und der Rest wird unter Anekdoten abgeheftet und sorgt immer mal wieder für den einen oder anderen Lacher.

    ich wünsche dir einen Mindful Monday und schicke ein Drückerle
    Nicole

  2. Ich glaube, dass jeder von uns hatte diese nette Gelegenheit. Es ist mir Gott sei Dank nicht oft passiert und wenn, dann konnte ich weiter machen um der Peinlichkeit nicht zu viel Spielraum zu lassen. Schnell reagieren, Augen zu und durch! Liebe Grüße und eine schöne Woche!

    • Ja, da sagst Du was liebe Mira, solchen Situationen einfach nicht soviel Raum geben, dann sind die schnell vergessen.
      Dir auch eine schöne Woche und viele Grüße
      Sigrid

  3. Hm…also meine peinlichen Momente hängen alle mit viel Alkohol zusammen und ich werde definitiv keines davon hier teilen 🙂
    Peinliche Fremdschämmomente habe ich aber natürlich mit meiner Oma reichlich gesammelt. Da sie sehr taub ist, spricht sie sehr laut. Und zwar immer das, was ihr gerade in den Sinn kommt.
    So hat sie an einer lauten Tafel mal gerufen: „Wer ist denn das Mädchen hinten links?“
    Das Mädchen war Leon, der Freund meiner Nichte…
    Sehr peinlich….
    LG und schöne Woche,
    Nicole

    • Süß Deine Oma, ich finde das witzig, aber in dem Moment…. peinlich. Und Deine peinlichen Momente unter Alkoholeinfluss würde ich schon gerne erzählt bekommen…
      Liebe Grüße und Dir auch eine schöne Woche
      Sigi

  4. Hallo liebe Sigi,
    wieder einmal sehr treffend beschrieben!
    Also so spontan fällt mir jetzt Nichts Peinliches ein.
    Aber genauso wie du, versuche ich solchen Situationen mit erhobenem Kopf zu begegnen. Da muss man dann einfach durch. Wenn mir etwas hinfällt und Radau macht, dann rufe ich in die Runde „Alle wach?“ Aber das ist ja auch nicht sooo peinlich.
    Ich finde eher peinlich, wenn man einen Namen vergisst, eine Verabredung, Geburtstag oder sonst irgendetwas, was einen anderen Menschen verletzt. Da versuche ich dann entweder mit Charme rauszukommen, oder ich muss einfach Farbe bekennen und mich entschuldigen.
    Ob ich rot werde, weiß ich gar nicht. Da muss ich mal nachfragen, wenn mir wieder etwas Peinliches passiert 😉
    Dann wünsche ich uns mal einen Tag ohne Pleiten, Pech und Pannen 🙂
    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Liebe Katharina,
      Du weißt gar nicht, wie ich finde wie der Ausdruck „mit erhobenem Kopf“ zu Dir passt. Ich habe in der Tat immer den Eindruck, dass Dich so schnell nichts erschüttern kann. Und beim nächsten Treffen werde ich versuchen, Dich in eine peinliche Situation zu bringen, damit wir testen können, ob Du rot wirst. 😉
      Danke für’s Lesen kommen und liebe Grüße zu Dir
      Sigi

  5. Liebe Sigi, ich mag wie du die frischen Montagmorgen, aber mit deiner neuen Reihe lieferst du mir jetzt noch einen zusätzlichen Grund, diesen Tag besonders zu lieben. Mindful Monday – ich bin jedes Mal gespannt, welches interessante Thema du wieder aufgreifst. Fettnäpfchen und Peinlichkeiten betreffen uns wohl alle im Leben und das meistens mehrmals und noch nie war bei mir dieses gewünschte Loch im Boden vorhanden, wenn ich es gebraucht habe 😉 Es kommt darauf an, wo bei wem und in welcher Form es mir passiert, aber es kann mich dann schon mal sehr aus dem Konzept bringen und nicht jeder reagiert mit einem Lachen oder zumindest gelassen. Daher finde ich es wieder toll, wie umfassend und vielseitig du dieses Thema beleuchtet hast. Ich kann auch etwas aus dem Geschäftsleben beitragen – wir haben einmal einen Geschäftspartner meines Gatten mit seiner Frau getroffen und sie hatten ein kleines Kind dabei. Meine Reaktion „Wie schön – darfst du heute mit Oma und Opa einen Ausflug machen?“ Der Geschäftspartner ganz lapidar „Das ist unsere Tochter!“
    Hab eine wunderbare Woche, ein Drückerle in die Fern und alles, alles Liebe Gesa

    • Liebe Gesa, das geht ja runter wie Öl. Schön, dass ich Dir mit dem Mindful Monday eine Montagsüberraschung liefern kann. Und danke für Deinen Fettnäpfchen -Beitrag, ich musste herzhaft lachen, aus zwei Gründen: 1. Genau das habe ich auch mal zu einem Kind gesagt, war dann auch die Mama und nicht die Oma und 2. weil ich nicht an Deiner Stelle hätte sein mögen, da hättest Du das Loch wohl sehr gut brauchen können. Und geschäftlich ist noch mal eine ganz andere Nummer als privat.
      Aber wahrscheinlich längst vergessen, dafür heute lustig zum Erzählen.
      Danke Dir und ganz liebe Grüße zu Dir
      Sigi

  6. Liebe Sigi,
    über Deine „peinliche“ Geschichte musste ich herzlich lachen und der Geschäftspartner hat danach bestimmt ein wenig in sich hinein gegrinst. Aber wie Du schon sagst, es kommt immer darauf an, wie man selbst damit umgeht. Und das hast Du ja relativ souverän hinbekommen.
    Mir ist es einmal passiert, dass mich auf einem Business-Meeting mein Gegenüber konsequent mit falschem Namen angesprochen hat – trotz Namenschild. Es war mir sehr unangenehm, weil die Umstehenden mich immer wieder auffordernd angeschaut haben und ich einfach nichts herausgebracht habe. Spontaneität war noch nie meine Stärke.
    Sei’s drum solche Dinge passieren und wir sollten nicht den Fehler machen, uns selbst zu lange damit zu beschäftigen!
    Liebe Grüße
    Erika

    • Danke für Deine Worte und Deine eigene kleine Geschichte liebe Erika. Und wie Du sagst, solchen Dinge passieren und wir sollten ihnen einfach nicht zu viel Bedeutung beimessen.
      Ganz liebe Grüße
      Sigi

  7. Hi Sigi,
    auf jeden Fall eine lustige Geschichte! Ich glaube, meistens finden andere Menschen das viel weniger schlimm, als man denkt. Wenn in meiner Gegenwart jemandem etwas peinliches passiert, denke ich ja selbst auch, dass das jedem passieren kann. Ich bin zum Glück niemand, der rot wird, daran erkennt man es ja bei vielen Leuten. Ich finde das immer charmant und sage dann irgendetwas Lockeres oder Lustiges, um die Situation aufzulösen und dann fühlen sich alle einfach besser.
    Mir selbst sind schon 10392323 peinliche Sachen passiert (und werden auch noch passieren). Geil war z. B. mal, dass ich Schoki gegessen habe, und die dann wohl auf meinem Stuhl geschmolzen ist, was zu einem tollen Schokofleck an der Hose führte….eine Stelle, die man nicht gebrauchen kann, aber was solls 😀 Wenn man es nicht verhindern kann, dass es jemand sieht, kann man mit solchen Dingen auch gut offensiv umgehen, finde ich. Aber ich glaube, das hätte mich in jüngeren Jahren völlig aus der Bahn geworfen 😀
    Liebe Grüße!

    • Deine Geschichte toppt meine, finde ich. Ich hoffe mal, die Hose war nicht weiß… Aber Du schreibst es, die anderen empfinden das wohl meist weniger schlimm als man selbst.
      Kannst Du mir einen Tipp geben, wie machst Du das, dass Du nicht rot wirst?
      LG
      Sigi

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