Mindset Monday
Haben wir denn alles falsch gemacht?
Manchmal habe ich viele Themen für den Mindset Monday , ein andermal lasse ich mich inspirieren. Die Inspiration für heute kam von der lieben Conny, bei Instagram @connydolllifestyle , denn die hat gestern in ihrem Post folgendes gefragt:
Was hätte euer früheres ICH über euer heutiges Leben gesagt?
Ich kommentierte den Post, aber irgendwie ging mir das Thema gestern den ganzen Tag nicht aus dem Kopf. Ich habe nämlich gerade den Eindruck als würde uns (der großen, wertvollen, über 9 Millionen, 50+ Community) von allen Seiten auf Social Media (und nicht nur dort) erzählt und erklärt, was wir bis heute alles falsch gemacht haben.

Wir haben uns also über 50 Jahre irgendwie nur so durchgehangelt, um plötzlich mit ganz viel „KLARHEIT“ (Joke), festzustellen bzw. gesagt zu bekommen, dass wir uns falsch gestylt haben, uns verbogen haben, falsch ernährt haben, zu leise, dann wieder zu laut waren, zu angepasst, zu wenig angepasst waren, Fehler gemacht haben, die wir heute nicht mehr machen und, und, und.
Traurig finde ich daran: Eine macht es vor: „So macht man das jetzt richtig“ also um beim Wording zu bleiben „Meine 5 (Styling)fehler, die ich heute nicht mehr mache“, und ganz viele nicken und machen’s morgen nach, also posten etwas ähnliches. Obwohl wir ja eigentlich mit unserer Reife nichts mehr auf Trends geben, oder wie war das jetzt noch mal? Naja, mit den Beinen war’s dasselbe… Und selbst ich werde mich irgendwann dem Diktat der Anziehvideos beugen (oder hoffentlich auch nicht).

Styling, Haltung, Ernährung, Lebensentwürfe, also das wäre eigentlich alles optimierbar gewesen und rückblickend natürlich alles ganz einfach. Und deshalb sollen wir uns jetzt, auf unseren letzten Metern, unbedingt noch neu erfinden.
Und da habe ich mich erwischt, diese Phrase mit dem „neu erfinden“ habe ich auch schon ein paar Mal benutzt, aber um so mehr ich gestern darüber nachdachte, desto weniger passt das zu mir. So ein Quatsch, ich erfinde mich nicht neu. Bin immer noch die Sigi mit ihren Macken, Ecken, Kanten, Ängsten, Zweifeln und vielen fröhlichen und liebenswerten Seiten. Bei mir verändert sich gerade etwas, ja!, aber das Leben war und ist immer Veränderung, ja!, und ist doch logisch, dass ich nicht stehenbleibe, sondern mich weiterentwickele.

Ich habe ausprobiert, verworfen, wieder ausprobiert, gescheitert, ausprobiert, gewachsen, ausprobiert und Erfolge gefeiert. Und wieder von neu. Beruflich, modisch, zwischenmenschlich. Meine Fehler? Würde ich wieder machen. Genau so.
Ohne Fehler kein Gespür. Ohne meine (Um)wege wäre ich heute nicht die, die ich bin. Ohne Scheitern kein Stil. Ohne Ausprobieren keine Haltung. Veränderung und Weiterentwicklung sind für mich Leben.
Ich erfinde mich nicht neu, ich lösche die Vergangenheit nicht – sondern gehe weiter mit allem, was war, biege vielleicht mal anders oder auch falsch ab, werde mich gerne mal „falsch“ stylen, mal Fast Food essen oder auch mal mehr als ein Glas Wein, die Nacht durchtanzen, nicht abgeschminkt ins Bett fallen und mit nur zwei Stunden Schlaf dann am Schreibtisch sitzen.

Ob das meinem Karma etwas ausmacht, keine Ahnung. Dem Longevity-Konto auf jeden Fall. Aber wisst ihr was, das ist mir heute gerade mal egal. Und ihr so?
Übrigens bei Conny habe ich folgendes unter den Post geschrieben:
Das ist eine schöne Frage: Und ich denke, mein früheres ICH hätte gesagt: Wir sind zwar nicht da wo wir hinwollten, aber es ist genau richtig, wie es ist.
Für die Fotos habe ich mich dann doch neu erfunden bzw. Nici, denn Haare und Make-Up für den komplett neuen Look hat @nicimeyerr gezaubert.
Fotografiert hat über den Dächern von Nürnberg: Andi Groh.
Danke euch beiden.

2 Comments
Hello, liebe Sigrid, ich liebe dich für diese wunderbaren und ehrlichen Zeilen. Über genau diesen Gedanken habe ich auch schon oft nachgedacht, denn gleichzeitig sind die Menschen mit all ihren „Heute macht man das aber so“-Tipps extrem unverzeihlich. Dabei darf man eigentlich niemandem vorschreiben, wie er etwas zu machen hat.
Das ist mir erst gestern wieder unter dem Post einer Fotografin aufgefallen, die Tipps zum Posing gegeben hat. Und zack, kommen sie: die Stimmen, die sagen, jede dürfe doch stehen, wie sie möchte.
Wenn wir früher etwas falsch gemacht haben, dann machen die, die heute vermeintlich das Sagen haben, gefühlt noch mehr falsch. Irgendwie ist vieles aus dem Gleichgewicht geraten – zumindest nach meinem Empfinden. Manchmal beruhigt mich allerdings der Gedanke, dass diese Social-Media-Bubble eben genau das ist: eine Bubble. Die meisten meiner Freunde sind dort gar nicht unterwegs und lassen sich von dieser Dynamik überhaupt nicht treiben.
Das versuche ich mir gerade wirklich zu Herzen zu nehmen und auch umzusetzen. Anziehvideos mag ich übrigens sehr, weil ich sie inspirierend und ehrlich finde – zumindest dann, wenn sie auch ehrlich gezeigt sind. 😄
Danke für deine Erwähnung, liebe Sigrid. Ich freue mich sehr, wenn ich dich inspirieren konnte. Hab nen guten Start in die Woche, lieber Gruß, Conny
Danke liebe Conny, du hast mich wirklich inspiriert, komme auch gerne auf deinen Blog lesen, wenn ich es denn schaffe. Zeit ist ja auch immer so ein Problem… Ich nehme mich seit dem Sommer sehr aus der „Bubble“ raus, weil es mir gut tut. Dann gibt es wieder Tage, wo es mir sehr leid tut, nicht bei jedem in der Bubble vorbeigeschaut zu haben. Ein Fluch und ein Segen. Und mit den Anziehvideos ist es bei mir so, ich mag sie mittlerweile auch, aber seit Anfang an fehlt mir die Zeit sie anzuschauen. Verweile ich bei einer, habe ich für drei andere keine Zeit mehr, denn ich möchte ja weniger statt mehr Zeit auf Social Media verbringen. Hab du auch eine gute Woche. Viele Grüße, Sigi