Valencia Diary 

Mit dem Bici durch Valencia

Heute treffen wir  im  Valencia Diary aufs Bici, aufs Fahrrad. Bei meinem ersten Besuch in Valencia im April 2025 bin ich alles zu Fuß gelaufen. Von El Cabanyal  zu der Stadt der Künste und der Wissenschaften, in die Altstadt, zurück nach El Cabanyal und ans Meer – größere Strecken machen mir nichts aus, ich laufe gerne und meide öffentliche Verkehrsmittel, wenn ich eine Strecke (die gerne etwas länger sein darf) auch zu Fuß gehen kann. So ist man näher am Leben dran, hat einen besseren Überblick und sieht Dinge, die man sonst übersieht.

Julia und Dominik, die seit nunmehr drei Jahren mit ihrem Sohn in Valencia leben, haben mir empfohlen, bei meinen längeren Aufenthalten im September und im Oktober/November ein Fahrrad zu nehmen. Die kleine Familie erledigt dort alles mit dem Rad: Einkäufe, Freunde treffen, zum Strand fahren, in die Stadt, kleine Erledigungen – wirklich alles. Und dazu gehört natürlich auch, den Sohn zum Fußball oder in den Kindergarten zu bringen. Also habe ich es auch ausprobiert.

Ich war nach anfänglicher Unsicherheit begeistert. Fahrrad fahren verlernt man ja nicht. Aber ich war gefühlt hundert Jahre kein Rad mehr gefahren, bin kein besonders aufmerksamer Verkehrsteilnehmer und konnte mir etwas besseres vorstellen, als meinen Hintern auf einen Fahrradsattel zu heben.

Trotzdem habe ich mich schnell auf dem Bici zurechtgefunden. War manchmal etwas wackelig (besonders mit Gepäck), ein anderes Mal draufgängerisch (zum Leidwesen mancher Fußgänger) und ab und an unaufmerksam unterwegs – habe ein paar Beinahe-Unfälle gerade noch abgewendet (qué suerte).

Bici kommt übrigens von „bicicleta“.

Wenn ich heute durch meine Camera Roll durchscrolle, fällt auf, wie viele Fotos ich von meinem Bici gemacht habe. Immer sicher angelehnt und abgeschlossen, für die Versicherung, falls mal etwas passiert. Immer einmal vorne und einmal hinten.

Insgesamt liefen die sechs Wochen mit Bici richtig gut, nur einmal wurde mir vorne die Lampe abgebrochen. Während beider Aufenthalte habe ich meine Fahrräder bei Santa Marcelita Bikes ausgeliehen. Die netten Jungs dort statten das Fahrrad mit einem praktischen Korb, zwei Schlössern und einer Handyhalterung aus. Nachdem mir die Lampe abgebrochen wurde, schafften sie schnell Ersatz. Der Laden ist montags bis sonntags geöffnet, immer telefonisch erreichbar und es ist auch schnell jemand zur Stelle, wenn mal ein Problem wie ein platter Reifen auftritt. Sehr empfehlenswert.

Mit meinem Bici konnte ich alles erledigen und kam wirklich überall hin. In die Altstadt brauchte ich ungefähr 25 Minuten, mit dem Bus dauert das von El Cabanyal aus etwa 40 bis 45 Minuten. Ich fuhr zum Spanischkurs, zum Yoga am Strand, zum Schwimmen, traf neue Leute und entdeckte immer wieder schöne Ecken. Und ich muss zugeben, ich schaffte wesentlich mehr Kilometer als zu Fuß.

Das Radwegenetz in Valencia, insgesamt über 200 km,  ist hervorragend ausgebaut, man kommt wirklich überall hin: zum Teil breite Radspuren, eigene Ampeln für Fahrräder, durchgehend gekennzeichnete Routen entlang von Straßen, Parks und am Meer. Viele Abstellmöglichkeiten.

Besonders in und rund um El Cabanyal und am Strand ist es richtig entspannt zu fahren. In Richtung Altstadt ist es zwar belebter, der Verkehr dichter und oft sind auch schnelle Scooter auf den Radwegen unterwegs, aber man gewöhnt sich daran, und mit etwas Vorsicht klappt alles problemlos.

Ebenso dauert es ein paar Tage bis man sich an das Einbahnstraßensystem in Valencia gewöhnt hat. Ich bin einige Umwege mit meinem Bici gefahren, weil ich, typisch deutsch, mich an die Verkehrsregeln halten wollte und nicht dauernd verkehrtherum in die schmalen Straßen, wo gerade mal ein Auto Platz hat, reinfahren wollte.

Ein typisches Sigi-Missgeschick gab es natürlich auch noch: Im September hatte ich fast nur Boho-Kleider dabei, und eines verfing sich in der Kette. Ich stand fest, konnte mit meinem Bici weder vor noch zurück, und musste um Hilfe bitten. Ein junger Mann, der weder Englisch noch Deutsch sprach, hat mir schließlich mit Engelsgeduld das Kleid unbeschädigt aus der Kette geholt und ich konnte weiterfahren. Muchas gracias.

Und so endeten viele meiner Tage in Valencia auf dem Bici – ganz entspannt und oft mit ein bisschen Sonne im Gesicht.

Wie ist es bei euch? Fahrradfahrer oder nicht?

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