Mindset Monday 

Wie…? Wo…? Mit Wem…? Und von was…will ich leben?
Frei nach Alexandra Reinwarth

Ich nehme mehr und mehr ein kleines Phänomen in meiner Generation wahr und darüber möchte ich heute im  Mindset Monday schreiben. Es handelt sich um den Gedanken, was fange ich noch mit mir und dem Rest vom Leben an.

Gestern las ich von der Instagrampause einer Influencerin (in meinem Alter), die sich in der Pause neu sortiert hat. Dann schrieb ich, auch gestern, mit einem Bekannten (denke mein Jahrgang) und er offenbarte dann, dass er nun mehr Zeit hat, da er ein Sabbatical einlegt. Auch auf Instagram und Blogs berichten immer mehr Personen von Sabbaticals. Mein Bekannter macht das, um herauszufinden was, wieviel und wofür er noch arbeiten möchte die nächsten Jahre. Schöne Idee.

Im Prinzip ist das der gleiche Grund aus dem ich hier in Valencia bin und über was ich nachdenke, währenddessen die meisten Frauen in meiner Bubble über Sichtbarkeit nachdenken, was mir so langsam aber sicher etwas auf die Nerven geht, aber das ist dann ein Thema für sich.

Aber zurück zu mir. Meine Zeit hier in Valencia wird immer kürzer (nur noch 33 Tage) und ich habe mich in den Wochen hier diesen wichtigen Fragen gestellt. Diese Fragen sind die Quintessenz aus dem Buch „Das Leben ist zu kurz für später“ von Alexandra Reinwarth. Und die Fragen gehen passenderweise ziemlich einher mit dem, was ich mir im letzten Jahr vorgenommen hatte, bevor ich die Workation im Oktober/November hier in Valencia absolvierte.

War es Zufall, Schicksal, Bestimmung, dass ich genau zu dem Zeitpunkt und in Valencia auf Alexandra und ihr Buch traf? Ich weiß es nicht, aber es passt(e) einfach wie die Faust aufs Auge. Denn ich bekam das Buch kurz vor meinem 59. Geburtstag geschenkt. Der Untertitel von

Das Leben ist zu kurz für später

lautet:

Stell dir vor, du hast nur noch ein Jahr – ein Selbstversuch, der dein Leben verbessern wird

Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch circa ein Jahr bis zum 60. Ein Zeichen. Was wäre, wenn das mein letztes Jahr wäre…

Den Selbstversuch habe ich nicht gemacht, aber das Buch sehr intensiv ein zweites Mal gelesen, viele Parallelen entdeckt, aber auch neue Aspekte und Sichtweisen aufs Leben erhalten und mich das eine oder andere ganz ehrlich gefragt und mir auch beantwortet.

Das Buch werde ich demnächst etwas ausführlicher vorstellen. (Spoiler: es geht nicht nur um die 4 „Ws“). Aber was ich glaube, was mir dadurch mehr denn je bewußt wurde, ist das, was ich auch schon seit längerer Zeit immer wiederhole:

Jeder Tag ist zwar ein neuer Tag, aber auch einer weniger.

Das ist mein neues Lebensmotto, neben dem altbekannten:

Ich schäme mich für nichts, nicht für das, was ich denke, tue, fühle und sage. Nicht für die, die ich bin.

(So habe ich meine Töchter erzogen).

Außerdem gibt es noch zwei weitere:

Be yourself

auf meinem Arm tätowiert und

Strong enough

das wird als Tattoo folgen.

Und genau diese Sätze, Weisheiten, Mantren (nenne es, wie du willst), sind die Gründe, warum ich mein Leben und meinen Lebensmittelpunkt geändert habe und mich weit, weit, weit aus meiner Komfortzone herausgewagt habe. Mein Lebensmittelpunkt bin jetzt ich! Die Tage, die ich noch habe, müssen für mich gut sein und für niemand anderen. Kommt diese Erkenntnis zu spät oder genau richtig?

Wenn ich zurückblicke, war und ist mein Leben gut, super, genauso, wie es war und ist. Jedes Jahrzehnt hatte Challenges und Veränderungen, aber genau das ist Leben doch: „Leben ist Veränderung“. Übrigens einer meiner Lieblingssprüche. Und genau dieses Leben hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Nun steht ein neues Jahrzehnt an. Ich war Tochter, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Mutter und vieles mehr. Und dieses Jahrzehnt bin ich das alles vielleicht auch, aber zuerst eben ICH.

Kurz vor meiner Abreise nach Valencia begann ich auch über mein Vorhaben zu kommunizieren, und immer wieder fiel mir auf, dass etliche Frauen, aber auch Männer, mit ihrer eigenen Lebenssituation nicht zufrieden sind, aber aus Angst vor Veränderung, vor Scheitern, vor Verlust der Sicherheit (oder Bequemlichkeit), genau auf der Stelle bleiben, wo sie sind. Ich denke mir nur, jede(r) wie sie/er mag, es muss sich auch niemand rechtfertigen, außer vor sich selbst. Und Alexandra Reinwarth schreibt das sehr schön in ihrem Buch: Die Angst ist ein schlechter Ratgeber!

Das ist sie. In allen Belangen. Von der Idee für einige Monate alleine in ein anderes Land zu gehen bis zur Durchführung verging schon einige Zeit, manchmal war ich auch gewillt, aus Angst doch lieber in der Komfortzone zu verharren. Aber ich bin stolz, glücklich und unheimlich dankbar, dass ich es doch durchgezogen habe, dass ich den Mut hatte.

Ich wachse hier mehr oder weniger täglich über meine Grenzen hinaus. Sei es irgendwo (oder besser gesagt überall) alleine hinzugehen, trotz Sprachbarriere an Events teilzunehmen, unangenehme Situationen, die ich früher an meinen Mann weitergegeben hätte, meistern, das Alleinsein auszuhalten und, und, und…

Auf der anderen Seite kann mir diese Zeit niemand nehmen. Selbstbestimmt und ohne Druck zu leben, mich neu kennenzulernen und auch meinen Umgang mit anderen Menschen neu zu beleuchten und zum Teil auch zu ändern. Wünsche, Träume, Gefühle, Schwächen, Unsicherheiten, Stärken erkennen, zulassen, kommunizieren, leben. Und eben die großen Fragen beantworten.

Und da bin ich ehrlich. Für die großen Fragen war bislang die Zeit zu kurz. Wie…? Wo…? Mit wem…? Und von was…will ich leben?

Ich weiß zumindest sicher, was ich nicht will. Aber ich versuche es einmal, spontan und kurz:

Wie will ich leben? Selbstbestimmt, nicht mit einem 9 to 5 Job, ohne großen Luxus, aber ohne Sorgen.

Wo will ich leben? Im Moment Valencia, Stuttgart, Nürnberg, auf Reisen.

Mit wem will ich leben? Alleine (für den Anfang auf jeden Fall).

Von was will ich leben? Daran bastele ich noch. Die letzten Jahre hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass ich mich, lax gesagt, mit mehreren Jobs über Wasser gehalten, also meinen Lebensstandard gesichert habe.
Aber da gibt es dieses Sprichwort:

Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

Und tatsächlich hat sich für mich immer mehr herauskristallisiert, dass überall ein bisschen was auf der Strecke bleibt, da ich nicht meine komplette Energie in ein Projekt stecke. Vielleicht muss ich lernen besser zu jonglieren, vielleicht es es Zeit etwas aufzuhören oder vielleicht muss ich mich komplett neu aufstellen. Wie geschrieben: Diese Baustelle ist noch in Arbeit!

Wie sieht das bei euch aus? Lebt ihr wie, wo, mit wem und wovon ihr möchtet? Oder gibt es da noch Stellschrauben? Fragt ihr euch was noch kommt? Wie ihr die Zeit füllen möchtet? Oder seid ihr eher Team Sichtbarkeit? Würde mich sehr über einen Austausch hier freuen!

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