Mindful Monday 

Die Lücke – Gender Care Gap

Der Mindful Monday hatte Pause, bei uns standen eine Hochzeit (nicht ich, unsere große Tochter) mit Vor- und Nachbereitung und der ganz normale verrückte Alltag auf dem Programm. Aber heute wieder in alter Frische.

Ich bin euch noch das Thema „Gender Care Gap“ schuldig. Über Mental Load hatte ich kürzlich ja geschrieben.

Meiner Meinung nach sind beide Begriffe in etwa das Gleiche bzw. eng miteinander verknüpft. Mental Load ist die Sache an sich, also, das sich um alles Kümmern (Sorgearbeit), und Gender Care Gap ist die Bezeichnung für die Lücke, die klafft, die beim Kümmern um den ganzen Alltagskram zwischen Mann und Frau entsteht, da eben nicht beide an alles denken und die Sorgearbeit (Kinderbetreuung, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen, Organisieren des Alltags) meistens nicht gleichmäßig verteilt ist, und, nach wie vor, häufig als Frauensache abgetan wird.

(Ausnahmen bestätigen die Regel, zum Beispiel Partnerschaften, in denen sich einer bewusst dafür entscheidet nicht arbeiten zu gehen, um die Sorgearbeit zu übernehmen, um dem anderen den Rücken freizuhalten. Aber auch das hat Nachteile…).

Ich möchte jetzt aber nicht noch mal alles runterschreiben, was ich beim Mental Load schon geschrieben habe, ich denke, auch die, die bislang von beiden Begriffen noch nichts gehört hatten, wissen um was es geht und können aus persönlicher Sicht bestimmt auch etliche Beispiele aufzählen, wo es bei Ihnen in der Beziehung zu diesem Thema hakt.

Und obwohl ich die Begriffe Gender oder gendern nicht mehr hören kann, kommt man bei diesem Thema nicht drum herum, es gibt sogar noch einen weiteren Begriff, der das Thema ergänzt. Und zwar die Gender Pay Gap.

Ist „natürlich auch ganz logisch“, wenn Frau zuhause unbezahlte Sorgearbeit leistet, „und deshalb“ weniger Stunden arbeiten geht, wird sie dafür schlechter und weniger bezahlt… Ein Teufelskreis. Frauen rutschen dadurch häufig in die Teilzeitbeschäftigung, können sich beruflich schwerer weiterentwickeln, verdienen weniger, haben weniger Geld zur Verfügung, zahlen weniger in die gesetzliche Rente ein und sind somit fürs Alter schlechter abgesichert.

Aber es gibt auch Frauen, die die Sorgearbeit trotz Fulltime-Job übernehmen, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, der Tag hat ja nur 24 Stunden, und vor lauter Überbelastung immer haarscharf an einem Burn Out oder an der Depression durch Überforderung vorbeischrappen.

Das „bisschen“ Haushalt macht sich eben nicht von alleine. Und das Schlimme ist nicht nur diese Einstellung, sondern dass die Care-Arbeit zusätzlich meist nicht einmal wertgeschätzt wird und als selbstverständlich hingenommen wird.

Die Gender Care Gap liegt in Deutschland derzeit bei 52,4%, die aktuelle Gender Pay Gap sagt aus, dass in Deutschland 2022 Frauen 18% pro Stunde weniger verdienten als Männer.

Ich bin ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass wir bei diesen Werten liegen, ich hatte tatsächlich geglaubt, dass diese Gender Gaps gar kein so großes Thema mehr wären, ich dachte wir wären weiter. Ich übernehme bei uns mehr Care-Arbeit und ich bin auch in der Mental Load Falle, aber das heißt nicht, dass mein Mann nichts macht… Es ist nicht 50:50 bei uns, aber ich denke, wir sind bei einem guten 60:40 und was nicht ist, kann ja noch werden.

Auch bei meinen Töchtern und im Bekannten- und Freundeskreis habe ich den Eindruck, dass die Männer überall mehr mitdenken und mitanpacken als noch vor 20 bis 30 Jahren. Aber die Statistik zeigt: nicht genug. Die Rollenklischees sind nach wie vor da und übermächtig.

Kann man die Aufgaben denn überhaupt gerechter verteilen? Ich glaube ja, aber das A und O dabei ist miteinander reden, das Problem als solches auf beiden Seiten überhaupt zu erkennen und ganz individuell Lösungen und Kompromisse finden.

Ein Beispiel: Ich bin ein Morgenmensch, mein Mann nicht. Da ich sehr früh schon aktiv bin, bin ich abends relativ früh platt und dementsprechend faul. Bei uns hat es sich mittlerweile so eingespielt, dass mein Mann früher aus dem Büro geht und kocht (für ihn ist das runterkommen) und ich dafür die Stellung im Büro länger halte (was mir leicht fällt, da ich zum einen gerne arbeite und zum anderen sowieso schon den ganzen Tag im Flow bin).

Immer alles ganz genau fifty-fifty zu teilen ist meiner Ansicht nach auch nicht die ideale Lösung. Es kommt ja auch immer darauf an, was jeder für Stärken hat, was macht der eine gerne, was gar nicht. Die Erwerbstätigkeiten beider Partner spielen da ja auch noch mit rein.

Darüber hinaus besteht ja auch noch die Möglichkeit die Care-Arbeiten teilweise auszulagern, gegen Geld versteht sich, aber eine Putzhilfe, zum Beispiel, hat schon so manche Beziehung gerettet.

Übrigens: Am 1. März findet der Equal Care Day statt, ein Tag, der mehr Aufmerksamkeit auf die gerechtere Verteilung und höhere Wertschätzung der Sorgearbeit lenken soll. Es gibt auch einen Mental Load- & Equal Care-Test, den findet ihr hier. Den möchte ich euch und eurem Partner gerne ans Herz legen, einfach nur mal, um ein Aha-Erlebnis zu haben, wo man mit dem ganzen Thema eigentlich steht.

Lasst mich wissen, ob ihr den Test machen werdet und wie ihr über das Thema denkt. Vielleicht möchtet ihr hier ja auch eure persönlichen Erfahrungen teilen? Ich würde mich darüber freuen.

Die Fotos zum heutigen Mindful Monday hat Tomasz Atkari fotografiert. Ihr findet ihn auch auf Instagram. Tomasz hat übrigens mit einem anderen Foto große Chancen Fotograf meines Fotos des Monats zu werden.

12 Comments

  1. Schöne Bilder, liebe Sigi. Ich empfehle hierzu das Buch „Die Erschöpfung der Frauen“ von Franziska Schutzbach. Und den Roman von Mareike Fallwickl „Die Wut, die bleibt“. Es gibt noch die viel zu tun. Und wir müssen das in erster Linie auch aus unseren Köpfen bringen, dass wir für die viel zuständig sind. So vieles ist angelernt. Danke, dass du diese Themen aufgreifst. Schönen Montag! Ursula

    • Sigi Reply

      Die Erschöpfung der Frauen, schon empfohlen bekommen liebe Ursula (Meine sogar von dir). Die Wut, die bleibt, muss ich mir zulegen. Ja, es gibt noch viel zu tun, aber in vielen Beziehungen läuft es auch schon gut und wo ich dir absolut recht gebe, ist, dass wir lernen müssen, nicht alles an uns zu reißen. Mein Mann hat heute gesaugt und gewischt, aber ich konnte das nicht hinnehmen, ich habe ihm reingeredet und das ist nicht in Ordnung, aber ich übe ja noch.
      Herzliche Grüße
      Sigi

  2. Guten Morgen Sigi – hast du sehr schön beschrieben und ja wir sind alle damit betroffen! Mir fällt auf wie peniebel sich unsere Mitarbeiter an das Arbeitszeitenschutzgesetz halten und den Hammer fallen lassen, ist ja in der Regel nach 10, in Ausnahmen nach 12 Stunden, dass die Ruhephaseneinsetzten soll. Das passt ja überhaupt nicht zu dem, was beginnt, wenn die Frauen nach hause kommen. Ich denke man kann und sollte nicht alles reglementieren. Der Mensch sollte die Freiheit haben sich so zu organisieren, dass es ihm gut geht. Wichtig ist, das muss man sich selber in seinem Umfeld erkämpfen, von alleine oder von außen kommt das nicht! Mir ist dann immer der Begriff der „Vollkaskomentalität“ im Kopf – viele erwarten einfach das alles für sie geregelt wird! Nee! Man(n) muss sich schon selber bewegen! Ich wünsch dir einen gleichberechtigt schönen Tag und hoffe das du heute Abend was leckeres gekocht bekommst.
    LG vom TOM

    • Sigi Reply

      Hallo lieber Tom, das Wort „Vollkaskomentalität“ merke ich mir mal, hast du super gewählt. Und ich denke, auch im Job ist es so, da ist auch immer einer, der immer an alles denkt und den Kopf hinhält, oder? Ich bin relativ gleichberechtigt durch den Tag gekommen und zum Essen gab’s heute nur Reste. Morgen wird dann wieder frisch gekocht.
      Liebe Grüße, Sigi und Danke

  3. Liebe Sigi,

    da hast Du wieder ein Thema aufgegriffen, das bei vielen Paaren für Diskussionen sorgt! Auch ich sehe bei den Beziehungen meiner Töchter ein Umdenken. Da die jungen Frauen heute gleichwertig berufstätig und selbstbewusst sind, wird die care Arbeit viel gerechter aufgeteilt.
    Bei Freundinnen in meinem Alter beschwert man sich viel. Aber das hilft nicht. Reden und Verhandeln aber schon.
    Liebe Grüße
    Erika

    • Sigi Reply

      Genauso sehe ich es auch, in unserer Generation läuft es noch ganz anders. Da ich aber auch immer berufstätig war, hat mein Mann von Anfang vieles übernommen. Und zum Glück bewegt sich etwas, ich denke, es kommt auch immer darauf an, was man den Töchtern vorlebt und deine haben ja eine ganz besondere Mama. Liebe Grüße zu dir Erika und eine schöne Woche, Sigi

  4. Liebe Sigi,

    jedem und allem Gerecht zu werden und sich selbst nicht zu vergessen.
    Nicht immer einfach und gerechte Aufteilung…. Lassen wir das *lach*
    Ich bin immer wieder hin und weg von deinen Fotos. Deine Ausstrahlung,
    der reinste Wahnsinn. Da muss ich mal an den Spruch von einem Kollegen meiner
    Mutter denken ( siel lebt leider nicht mehr). Der Kollege hatte ihr an Karneval gesagt,
    “ Hallo Frau M…. sie können alles tragen und wenn es ein Müllsack nur wäre, sie sehen
    in allem einfach Fantastischaus“. Meine Mutter war so perplex über das kompliment,
    da muss ich immer an Dich denken. Du hast auch so eine wunderbare und tolle Ausstrahlung.

    Liebe Grüße
    Elke

    • Ich freue mich immer sehr über die Komplimente zu den Fotos liebe Elke, genauso wie über deine oft sehr persönlichen Kommentare. Danke dafür.
      Hab noch eine schöne Woche
      Sigi

  5. Das Thema ist ein wichtiges- Musste bei deiner Staubsaugergeschichte lachen.. Aber das kann natürlich auch dem anderen die Motivation rauben, wenn nichts richtig ist oder immer etwas bemängelt wird.

    Gut gefällt mir, dass du auf 50:50 kein zu großes Gewicht legst- man kann Dinge auch ‚tot‘ diskutieren. Hier war die Rollenverteilung still und gut abgesprochen, sie ist es immer noch. Ich für mich brauche den Test nicht und wieß gar nicht, ob ich das laut sagen mag: Für mich ist es gut, wie es ist.

    Wenn etwas nicht gut ist, dann reden wir darüber. Allerdings nicht im Sinne von ‚Du musst‘ sondern ‚Wie kann man es besser machen‘.
    Meiner Erfahrung nach funtionieren die Dinge dann besser, wenn man außerhalb der Situation darüber und über die eigenen Vorstellungen spricht.

    Danke, dass du dich des Themas so ausführlich angenommen hast und die Bilder sind sehr schön geworden- sehr warm. Das gefällt mir.

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Ja, liebe Nicole, bei euch scheint das perfekt zu sein und ich bin bei dir, außerhalb der Situation drüber reden ist gold wert. Ich habe mal einen Bericht gelesen, da ging es nach der rechten Backe noch die linke hinzuhalten, im übertragenen Sinne. Ich denke, du weist wie ich das meine. Das bin ich nicht, aber auch nicht eine die auf 50:50 beharrt, ist in meinen Augen auch unmöglich. Ich denke, wir liegen irgendwo gut dazwischen.
      Liebe Grüße und gute Zeit
      Sigi

  6. Puh… erstmal liebe Sigrid, von lauter schlauen englischen Sätzen, müsste man fast zum Wörterbuch greifen. Das ist auch etwas, was zu deinem Thema kommt, es kommen immer neue, moderne, coole Sprüche in den Alltag rein, da blickt man schon fast gar nicht durch (wobei das Wort COOL schon gar nicht mehr so cool ist). Ich gebe dir natürlich recht, so ganz gerecht wird nicht aufgeteilt, auch bei der Bezahlung. Auch wir als modernes Land stehen in manchen Bereichen hinterher. Im Haushalt und Familie, ist es eher eine Sache der Absprache und soll den Partnern überlassen werden. Wir leben in der Zeit, wo alles schneller und effektiver sein muss. Es ist ein Fakt, dass man vor Erschöpfung umkommt. Es ist manchmal verwunderlich, wie wir alles in 24 Stunden schaffen. Ich wünsche dir einen ruhigen Start ins Wochenende und sende liebe Grüße!

    • Ja, da hast du recht liebe Mira, ich nutze ehrlich gesagt auch lieber deutsche Begriffe. Aber ich habe auch angefangen, Englischunterricht zu nehmen, weil mein altes Schulenglisch schon gar nicht mehr up-to-date ist.
      Ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut, und ich bin ganz bei dir, ich frage mich auch oft, wie wir doch alles irgendwie am Ende immer schaffen.
      Ich wünsche dir eine angenehme Woche und liebe Grüße
      Sigrid

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