Valencia Diary 

Kunst-Art-Arte – Bitte nichts anfassen

Lange nicht gebloggt, aber das neue Jahr ist frisch und aus Valencia habe ich eigentlich noch ziemlich viel zu berichten. Heute geht es um Kunst im Valencia Diary.

In Nürnberg gibt es aktuell mehrere interessante Ausstellungen, die ich gleich nach dem Jahreswechsel besucht habe. Auf Instagram habe ich schon ein paar Eindrücke geteilt, und es wurde mir einmal wieder bewusst, wie inspirierend und erfüllend Kunst sein kann – sie lässt mich staunen, innehalten und neue Perspektiven entdecken.

Ich liebe es, durch Ausstellungen zu spazieren.

Schon als Kind liebte ich das – mit zwölf Jahren habe ich mich in einem riesigen Kunsthaus in der Schweiz verloren. Die Hallen schienen endlos, die Räume hoch und weit, und ich bin einfach weitergelaufen, ohne auf meine Eltern zu achten. Ich habe lange vor Gemälden, Bildern, Fotos und Skulpturen gestanden, Details entdeckt, genau geschaut, bin eingetaucht in eine ganz besondere Welt, und irgendwann mussten mich meine Eltern zusammen mit dem Ausstellungspersonal suchen, weil die „kleine Sigrid“ verschwunden war.

Ich hatte die Zeit und die Eltern völlig vergessen und war fasziniert von Raum zu Raum und Stockwerk zu Stockwerk getrödelt, ganz verzaubert von dem, was es zu sehen gab.

In den letzten Jahren ist die Kunst bei mir allerdings ein bisschen untergegangen. Zwischen Bloggen, Influencen, Projekten, Terminen und Privatleben war einfach nicht mehr genug Zeit und Ruhe, um mich in Museen und Ausstellungen zu verlieren oder in Bücher einzutauchen. Das gab es nur am Rande und sehr selten. All das, was mich lange Jahre inspiriert, gefesselt und bewegt hat – kam kaum noch vor. Aber es fehlte.

Valencia, letztes Jahr, hat das geändert. Meine Aufenthalte dort, die Me-Time, die Workation und mein Reflektieren haben mir gezeigt, wie sehr es darauf ankommt, Prioritäten zu verschieben und neu zu setzen. Nicht alles ist gleich wichtig, nicht alles verlangt sofortige Aufmerksamkeit.

Ich habe wieder gelernt, mir bewusst Zeit für das zu nehmen, was mir wirklich Mehrwert gibt, was mich inspiriert und Kraft schenkt und zu Muße, Kunst und Lesen zurückgefunden. Wie schon geschrieben, es kommt auf die Prioritäten an.

Ich habe mir in Valencia Zeit genommen, die Museen und Ausstellungen in meinem eigenen Tempo zu entdecken. Manche Werke und Ausstellungen haben mich sofort gefesselt, andere erst nach längerem Betrachten, und manches ließ mich einfach stehenbleiben und still werden und wieder anderes war gar nichts für mich. Ich finde es immer wieder spannend zu merken, dass man nicht alles verstehen muss – genau das macht Kunst für mich aus: Sie wirkt auf ihre eigene Weise, mal kraftvoll, mal begeisternd, mal leise, mal irritierend, mal überraschend.

Früher galt in Museen strenge Regel: „Bitte nicht anfassen“. Jede Berührung war verboten, man bewegte sich fast ehrfürchtig und vorsichtig durch die Räume.

Heute hat sich viel verändert: Neue Kunstformen laden ein, erlebt, ausprobiert und manchmal sogar betreten zu werden. Installationen, immersive Licht- und Klangprojekte oder begehbare Skulpturen zeigen, dass Kunst nicht nur betrachtet, sondern erfahren werden kann.

Ich liebe beides: stille Momente vor einem Gemälde, in dem man sich verlieren kann, genauso wie Werke, die auf die Sinne wirken, neugierig machen und Interaktion erlauben. Eine Mischung, die Kunst für mich noch erlebbarer und spannender macht.

Und oft ist es nicht einmal die Ausstellung selbst, die mich gefangen nimmt, sondern das Gebäude, der Raum, in dem sie gezeigt wird. Alte Mauern, moderne Hallen, helle Räume, Licht und Schatten, versteckte Winkel – Orte, die alleine schon einen Besuch wert sind. Oder Ausstellungen, die ganz besonders gestaltet oder kuratiert sind, dass einem das Herz aufgeht.

Diese Momente sind für mich Inseln im Alltag. Und wenn ich danach wieder auf die Straßen trete, fühle ich mich aufgeladen, neugierig, inspiriert, kreativ und irgendwie wach für alles, was um mich herum los ist.

Hier einige Bilder von ein paar Ausstellung in Valencia, die mich im letzten Jahr besonders fasziniert haben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Centro del Carmen de Cultura Contemporánea (CCCC)
Zu diesem Haus komme ich immer wieder. Alte Mauern treffen auf moderne Ausstellungen, und der offene Innenhof lädt, auch außerhalb von Ausstellungen, dazu ein, innezuhalten. Die Ausstellungen, die ich, unter anderem besucht habe, enden in diesen Tagen, aber im CCCC gibt es immer wieder Interessantes zu sehen.

Laura Palau: „Mal Hora, Bon Hora“
Palaus Arbeiten verbinden Bild und Zeit, Natur und Mensch. In dieser Ausstellung geht es zum Teil um Wetterbeobachtung, die minutiös aufgezeichnet wurde.

Keke Vilabelda: „Common Ground“
Vilabelda verwandelt die rosa Salzlagunen in multisensorische Kunstwerke.

PAM!PAM! 2025
Die Ausstellung präsentiert junge Künstler:innen, die aktuelle Themen wie Alltag, Migration und digitale Medien bearbeiten. Ihre Arbeiten sind experimentell, lebendig und zeigen, wie Kunst heute Unsicherheiten und gesellschaftliche Fragen reflektiert.

Reales Atarazanas – Jesús Manuel Moreno
Die Atarazanas del Grao, Valencias historische Schiffswerften aus dem 14. Jahrhundert, waren früher Lager für Rudern und Segel und sind heute Museum und Ausstellungsort. Moreno zeigt in „20 años de La Línea Blanca“ seine klaren, reduzierten Arbeiten, die Leerraum und die Distanz zwischen Menschen thematisieren.

World Press Photo – Fundación Chirivella Soriano
Die World Press Photo 2025 Ausstellung in der Fundación Chirivella Soriano präsentierte die besten Arbeiten des 68. Wettbewerbs aus aller Welt. Die Auswahl war bedrückend: Viele Bilder zeigten Krieg, Elend und Not, sodass man fast den Eindruck bekam, die ganze Welt sei nur von Katastrophen geprägt. Dabei gibt es sicherlich auch wunderbare, fröhliche Momente, die es wert gewesen wären, gezeigt zu werden.

So ging ich am Ende zusammen mit meinen Freunden Carmen und Brandon, die ich zum Besuch der Ausstellung überredet hatte, etwas bedröppelt wieder auf die Straße.

Valencia Photo am Mercat – La Llotgeta – Zentrum für Fotografie
La Llotgeta liegt direkt gegenüber dem Zentralmarkt und ist ein echtes Kleinod des Neo-Mittelalters mit modernistischen Akzenten. Früher städtisches Amt für Marktverwaltung, heute ein lebendiger Ort für Fotografie, Workshops und Ausstellungen. Als einer der Standorte von Valencia Photo 2025 war es ein perfekter Rahmen, um internationale Fotos mitten in der Stadt zu erleben.

Centro de Arte Hortensia Herrero
Das Centro de Arte Hortensia Herrero liegt mitten in Valencias Altstadt, in einem alten Palast, der aus dem 17. Jahrhundert stammt. Schon das Gebäude selbst ist ein Erlebnis – restauriert, mit hohen Decken, großen Räumen und modernen Akzenten. Ein Ort, an dem alte Architektur und zeitgenössische Kunst aufeinandertreffen.

Besonders beeindruckt haben mich einige Werke, die stellvertretend für die unglaubliche Vielfalt der Sammlung stehen:

Corona Australis 38.89 – Tomás Saraceno
Ich konnte mich kaum sattsehen an dieser schwebenden Ansammlung aus buntem Plexiglasgebilden, die vielleicht leuchtende Wolken sein sollen. Extra für das Museum entworfen und angefertigt.

Tunnel for Unfolding Time – Olafur Eliasson
Einer meiner Lieblingskünstler. Wenn man durch diesen Tunnel geht, verändert sich dieser. Die Kristalle und das Licht lassen die Farben tanzen, und plötzlich merkt man, wie sehr die Wahrnehmung vom eigenen Tempo und Blickwinkel abhängt.

Your Accountability of Presence – Olafur Eliasson
Das hatte ich schon auf Instagram gezeigt. Hier wird einem klar: Man selbst ist Teil der Kunst.

Das Centro de Arte Hortensia Herrero war mein persönliches Highlight.

Valencias Kunstszene ist unglaublich vielfältig und lebendig. Das hier war nur ein kleiner Ausschnitt meiner persönlichen Streifzüge durch die Stadt. Man kann nie alles sehen, und genau das ist das Schöne daran – immer wieder gibt es Neues zu entdecken.

In Valencia begegnet einem Kunst nicht nur in Museen oder Galerien, sondern auf Schritt und Tritt auf den Straßen: Street Art, Graffiti, Murals. So präsent, dass man kaum hinschauen muss, um sie zu entdecken, und so zahlreich, dass es für einen eigenen Artikel reicht. Demnächst!

Was war eure letzte Ausstellung? Und was mögt ihr lieber? Bilder und Gemälde oder Skulpturen, Installationen oder vielleicht Interaktives?

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