Mindset Monday 

Und das Leben steht plötzlich Kopf!

Endlich wieder ein Mindset Monday . Tut mir leid, die Pausen werden immer länger. Aber dieses Mal liefere ich eine Entschuldigung: zum einen mochte mein Blog hier technisch nicht mehr so wie ich wollte, dann lese ich ständig, dass Blogs sowieso keiner mehr liest, außerdem erfordert meine Zeit hier in Valencia gerade meine komplette Aufmerksamkeit.

Und trotzdem blogge ich heute wieder. Weil es mir Spaß macht.

Denn mein Leben steht Kopf. Nicht komplett, aber irgendwie eben doch. Zwar habe ich diesen Aufenthalt in Valencia bewusst gewählt (manchmal habe ich aber auch Ideen – Augenrollen), aber ich wusste nicht wirklich, was auf mich zukommt. Werde ich mich wohlfühlen? Einsam sein? Die Entscheidung bereuen? Heimweh haben?

Um es vorweg zu nehmen: Mein Leben steht tatsächlich Kopf, ist komplett anders als es war – aber auf eine ziemlich gute Art. Ich bin vom Workaholic zu einem kleinen gechillten Buddha geworden, um es in einem Satz zu sagen.

Wie die meisten meiner Leser hier und auf Instagram wissen, bin ich für ein gutes Vierteljahr hier in Valencia. Und Stand heute sind gerade einmal noch 40 Tage übrig – von anfangs 98.

2025 war ich bereits drei Mal hier. Zuerst eine Woche, dann zwei und am Ende vier Wochen Workation. Ich war vorher nie alleine gereist und hatte auch noch nie alleine gewohnt. Ich habe mich sozusagen herangetastet. Und genau dieses Herantasten hat mir gefallen.

Ich habe hier die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt: Auswanderer, Expats, Studenten, digitale Nomaden, Einheimische (noch nicht so viele) und viele andere. Manche sind erst kurz hier, andere schon seit Jahren. Jede(r) hat ganz eigene Gründe, hier zu sein. Ich finde diese Geschichten unglaublich spannend und finde es gleichzeitig auch interessant wieviele Menschen ihre Komfortzone verlassen, um in einem anderen Land zu leben.

Irgendwann dachte ich mir dann: Warum nicht länger bleiben? Zuhause war meine private Situation ohnehin gerade im Umbruch, meine Mutter kommt mit 82 noch gut alleine klar und meine Töchter sind längst erwachsen und autark.

Die Idee war geboren. Danach kam die Frage: Kann ich mir das überhaupt leisten? Ich bin zwar finanziell relativ unabhängig, aber nicht vermögend. Und auswandern war nie die Idee, ich wollte ja einfach mal nur raus, weg von allem, mal woanders leben, anders leben, alleine leben.

Das bedeutete im Umkehrschluss: zwei Wohnungen bezahlen. Eine in Deutschland und eine hier in Valencia, die auch noch meinen Ansprüchen gerecht werden sollten.

Ein Sabbatical kam nicht infrage, weil ich selbstständig arbeite. Mein Erspartes ist eigentlich für die Rente gedacht. Also war schnell klar: Wenn ich das mache, wird das kein Urlaub, sondern ich muss währenddessen weiterarbeiten.

Vier Wochen im Oktober und November letzten Jahres haben bereits gut funktioniert. Warum also nicht auch 14 Wochen? Hinzu kommt die private Trennung. Kurz vor meiner Abreise machten wir dann Tabula Rasa und aus einem Haushalt wurden zwei. Dadurch entstanden natürlich für jeden automatisch schon mehr Kosten.

Aber wenn man etwas wirklich will, dann funktioniert oft mehr, als man vorher denkt. Zudem entsteht eine ganz besondere Energie, die „Flügel“ verleiht.

Und was das Geld angeht, meine Fixkosten sind gestiegen, aber das Leben an sich hier ist günstiger: Gleichzeitig sind meine Prioritäten andere. Ich brauche keine neuen Klamotten, keine Handtaschen und keinen Luxus. Klar gehe ich mal schick essen, gönne mir Yoga-Einzelstunden und auch kleine Auszeiten.

Mein größtes Learning hier:

Bei mir selbst zu sein, demütig und dankbar zu sein, dass ich diese Zeit hier erleben darf. Und wieder bestätigt zu werden in dem Wissen, das Glück nicht von außen kommt, sondern aus mir selbst. Jeden einzelnen Tag.

Letzte Woche wurde ich bei einem Glas Vino gefragt: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ Gar nicht so leicht zu beantworten. Ich schlafe viel: Mehr als in Deutschland. Dafür fällt Instagram hintenrunter. An dieser Stelle: liebe Follower, die ihr auch hier mitlest – sorry. Sie war stets bemüht…

Und den Rest der Zeit, hm, schwierig, ich arbeite, treibe für meine Verhältnisse viel Sport, führe einen kleinen Haushalt, streife durchs Barrio und durch die Stadt. Ich bin viel für mich und das tut mir gerade unheimlich gut.

Ich würde so sagen: ich meditiere mit offenen Augen.

Mein Leben ist gerade Luxus pur. Abgesehen von meinen Arbeitsstunden lebe ich in den Tag hinein, lasse mich treiben und entscheide ständig neu, worauf ich Lust habe und vor allem worauf nicht.

Ich werde oft gefragt, ob mir das nicht zu langweilig oder zu einsam sei. Klar, gibt es Tage, an denen ich ein bisschen einsam bin. Aber ich bin freiwillig hier. Ich habe mich bewusst dafür entschieden und komme super gut damit klar. Natürlich gibt es Situationen geben, die ich gerne mit jemanden teilen würde. Oder Tage, an denen keine Lust habe, in Anfänger-Spanisch zu kommunizieren und alleine in einer Bar oder einem Restaurant zu sitzen. Oder Momente, in denen ich Hilfe bräuchte und sei es nur, um eine große Spinne zu entfernen. Aber unterm Strich, ist es wie es ist und ich finde es genau richtig.

Das Schwierigste ist tatsächlich die Sprache. Die ist Voraussetzung dafür, andere (zumindest Einheimische) kennenzulernen. Da ich arbeite muss ich Spanisch irgendwie nebenbei lernen, das hatte ich mir, ehrlich gesagt, einfacher vorgestellt. „Lustige Missverständnisse“ sind vorprogrammiert.

Jetzt, wo das Ende meines Aufenthaltes gleichzeitig noch weit weg ist und plötzlich doch ganz nah erscheint, stellt sich die Frage: Was dann? Verlängern wäre gerade meine liebste Option. Andererseits habe ich eine Reise mit Ursula @immerschick.de in Planung, auf die ich mich sehr freue. Und danach stehen einige Entscheidungen an, was mein Leben in Deutschland betrifft.

Wenn ich zurückkomme, werde ich nicht mehr in die Wohnung zurückkehren, in der wir über 20 Jahre gelebt haben. Dort, wo unsere Kinder aufgewachsen sind. Wo wir gelacht, geweint, gefeiert, gestritten und gearbeitet haben. Dort werden inzwischen andere Menschen leben. Das wird mir langsam immer bewusster. Was ich dann empfinden werde, ob das Kapitel wirklich abgeschlossen ist, werde ich sehen.

Die letzten Wochen in Deutschland waren extrem stressig, ich hatte am Ende gerade einmal acht Tage, meine persönlichen Sachen umzuziehen. Möbel mussten verkauft und umgezogen werden, Dinge organisiert und koordiniert werden, und nebenbei, natürlich, gearbeitet werden.

Irgendwann saß ich plötzlich im Flugzeug nach Valencia, ohne vorher noch ein letztes Mal mit Muße durch die Räume zu gegangen zu sein und Erinnerungen hochkommen und zuzulassen.

Ich bin mit zwei großen Koffern und einem kleinen hier angekommen. Darin waren Klamotten, mein Laptop, meine Kamera, ein paar Unterlagen zum Arbeiten und einige Bücher. Ich dachte, das reicht hinten und vorne nicht. Aber ganz ehrlich: viel zu viel. Ein Viertel der Klamotten kann weg, sind viel zu warm, hier ist jetzt fast schon Sommer. Ein Teil hat sich für hier nicht bewährt und nur der Rest wird genutzt.

Was habe ich in acht Wochen dazugekauft? Einen kleinen Mixer für meine Smoothies und Shakes, ein paar Sportsachen für mein Retreat in Razo. FlipFlops, weil meine kaputt waren, ein Käppi und einen Sonnenhut, damit mir die Kopfhaut nicht verbrenntn. Und ein Oberteil bei der Ruzafa Fashion Week. Ach ja. Und einmal die Woche kaufe ich Blumen.

Spoiler: Am Samstag kaufte ich ein paar Schuhe, zeige ich demnächst bei Instagram.

Vermisse ich etwas? Nein! Zumindest nichts Materielles und auch nicht „mein Zuhause“.

Ein paar Menschen vermisse ich manchmal. Aber die habe ich in Deutschland auch nicht täglich gesehen. Wir schreiben, telefonieren, machen Videocalls und ab und an bekomme ich auch Besuch. Morgen kommen übrigens meine jüngere Tochter und ihr Partner.

Die Fotos zum heutigen Artikel sind hier in Valencia entstanden. Fotografiert wurden sie von meinem ersten Bekannten hier, dem Fotografen Brandon Jackson. Er und seine Partnerin Carmen sowie meine Freunde Julia, Dominik und Ben sind da, falls mir doch mal die Decke auf den Kopf fallen sollte. Was sie bislang nicht tut.

Ich glaube eher, dass es schwierig wird, wieder zu gehen.

Ich lebe ein komplett anderes Leben als vor einem Jahr, bin immer noch die gleiche und gleichzeitig eine andere. Aber das Wichtigste: Ich bin glücklich!

Gibt es etwas, das ihr gerne über mein Leben hier in Valencia wissen möchtet?

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