Mindset Monday
Ein Ende auf meine Art
Zum Abend noch ein Mindset Monday . Es gibt etwas zu berichten bzw. ich habe etwas zu verarbeiten.
Gestern war es soweit, die Schlüssel unseres Zuhauses, für mehr als 20 Jahre, wurden dem neuen Eigentümer übergeben und ich bin froh, dass ich hier in Valencia bin, und die letzten Tage und Wochen in der Wohnung nicht mehr miterleben mußte. Ich berichtete über meinen, am Ende des Tages, ziemlich spontanen Auszuges.

Mein Mann, den ich immer noch so nenne, weil er es nun mal ist, auch wenn wir nun getrennte Wege gehen, hat das letzte Ausräumen, putzen, Übergabe etc. alles alleine übernommen und dafür bin ich unendlich dankbar. Ich glaube bei mir wären ziemlich viele Emotionen dabei gewesen und einige Tränen geflossen.
Gestern Mittag sagte mir mein Mann Bescheid, dass es jetzt durch ist und das war dann schon ein ganz komisches Gefühl. Ich ging in Gedanken noch einmal alles durch, die erste Besichtigung, die Renovierung und damit einhergehenden Challenges, die Zimmer, die besonderen, die schönen und die schwierigen Momente, die wir dort erlebt haben. Und dann das Ausräumen kurz vor meiner Abreise nach Valencia.

Ich sage ja immer, mein Zuhause ist kein Ort, es sind die Menschen, die mein Zuhause sind, vielleicht muss ich das doch noch einmal revidieren oder anders formulieren, irgendwie war diese Wohnung dann doch mein Zuhause, besser gesagt, unseres.
Als Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit dort, hat uns Wanda, unsere große Tochter, allen ein Armband anfertigen lassen mit einer 30 (der Hausnummer), welches wir nun alle vier tragen.

Heute ist dann quasi für mich der erste Tag vom neuen Leben, aber ihr wisst ja:
Jeder Tag ist ein neuer Tag, aber einer weniger.
Also mein neues Leben ohne diese Wohnung und mehr oder weniger auch ganz offiziell die Trennung von meinem Mann.
Die fand natürlich viel früher statt, aber da wir genug Platz hatten und auch nicht im Streit auseinandergehen, lebten wir nach wie vor zusammen, aber in einer Art WG. Jeder war für Putzen zuständig, jeder hatte seine eigenen Bereiche (Zimmer und Bad) und dann gab es die Gemeinschaftsfläche. So haben wir über zwei Jahre zusammengelebt, für uns ein guter Deal (wir arbeiten ja auch zusammen), für viele andere befremdlich. Lerne mal einen Mann kennen und erzähle dem du lebst mit deinem Ehemann zusammen, mit dem du aber nicht zusammen bist.

Aber mal ganz ehrlich, muss man nach 43 Jahren (wären es jetzt im Juni) Partnerschaft die Messer wetzen? Wir sind erwachsen, wir haben mit niemand anderem mehr Zeit in unseren Leben verbracht, wir kennen die guten Seiten des anderen und seine Macken. Und wir können uns aufeinander verlassen, sind Familie und werden das immer sein. Nur etwas anders als bisher. Und jede(r), die/der neu dazukommt, wird damit umgehen müssen.

Ich werde dieses Jahr 60 und habe 43 Jahre mit meinem Mann verbracht, er ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben und wird das auch immer bleiben. Und ich hoffe sehr, so wie wir die Trennung (persönlich und räumlich) freundschaftlich und zusammen durchgebracht haben, dass wir uns auch immer gegenseitig weiter unterstützen werden.
Ich höre jetzt schon die Frage von euch, die ich auch in den letzten Jahren immer wieder gehört habe: Warum trennst du dich überhaupt?
Weil ich noch nie in meinem Leben ein Individium war. Ich war Tochter, Freundin, Partnerin, Ehefrau, Mutter… ich definierte mich immer über eine „Rolle“ und bis gefühlt vor 10 – 15 Jahren gab es mich und meinen Mann fast ausschließlich im Doppelpack. Alles fein. Ich bereue nichts, gar nichts.

Aber das Leben ist nun einmal Veränderung. Ich habe mich verändert, mein Mann hat sich verändert. Jeder in verschiedene Richtungen und irgendwann haben wir wohl aufgehört, den anderen neu kennenzulernen, neu zu finden, sondern haben immer die Personen gesucht oder haben wollen, in die wir uns irgendwann einmal verliebt haben. Was jetzt, mit Abstand betrachtet, natürlich nicht klappen konnte, um eine Beziehung über so viele Jahre am Laufen zu halten. Denn wer verändert sich nicht? Wir sind anders als Mutter, als Liebhaberin, als Freundin, jeder Schicksalsschlag und jeder Erfolg macht etwas mit uns.
Wir haben die Veränderungen im Leben des anderen nicht wirklich bemerkt, wahrnehmen wollen, nicht akzeptiert. Ich möchte es auch nicht scheitern nennen, denn das ist es nicht. Wir sind daran auch gewachsen, jeder auf seine Art. Ich kann ihn heute mit all seinen Veränderungen sehen, annehmen, akzeptieren, lieben, aber sein Weg ist nicht mehr mein Weg und wünsche ihm einen guten, neuen und vor allem glücklichen Start in den neuen Lebensabschnitt und ich glaube zu wissen, er wünscht mir das auch.
In diesem Sinne:
La vida es un regalo: disfrútalo cada día.
Die Bilder von mir, stammen heute wieder einmal aus Valencia, vom Fotografen Brandon Jackson.
