Mindful Monday – Aktion und Reaktion

und wie ich damit umgehe

Tom hat letzte Woche einen Satz hier geschrieben, der mich zum Nachdenken angeregt hat:

„Wie oft geht man doch aus Gesprächen oder Situationen heraus und ist verärgert. Man nimmt diesen ganzen Müll mit und macht sich Gedanken, meistens nicht die besten.“

Ja, jede Aktion verursacht eine Reaktion. Aber manchmal eben ohne die Reaktion vorher rational durchdacht zu haben. Sondern spontan und von Gefühlen geleitet. Das ist manchmal sogar sehr gut, andererseits gibt es alltägliche Probleme oder schwierige Situationen, von denen wir dermaßen getriggert sind, dass wir in „negativen“ Stress geraten und wie aus dem Nichts kochen Emotionen hoch und wir reagieren über bzw. sehr irrational. Das kennt Ihr sicher auch.

Manchmal ist es auch nicht die direkte Reaktion auf eine Situation, sondern eine Sache stresst mich und statt mich in Ruhe damit auseinanderzusetzen, lasse ich den Stress zu, die Gefühle Amok laufen und die daraus resultierende schlechte Laune an meinem Partner aus.

Ich selbst wundere mich hinterher, warum ich in der Situation nicht habe klarer denken können, warum ich oft so mega impulsiv reagiere, es gab Zeiten da war ich sogar richtig aufbrausend. Und hinterher geht mir das Gesagte bzw. die Reaktion noch lange nach und Gedanken, wie: „ich hätte doch…“ „warum habe ich…“ „wenn er doch…“ usw. beherrschen meinen Kopf. Hinterher weiß man sowieso alles besser.

Meistens wirke ich, von außen betrachtet, sehr lieb, sanft, herzlich, freundlich und hilfsbereit. Das stimmt eigentlich auch, aber ich kann (leider) auch anders. Vom Sternzeichen her bin ich Skorpion und mache dem Stachel dann und wann alle Ehre. Aber man entwickelt sich ja weiter.

Eine kleine Geschichte, lange her:

  • Geschäftseröffnung, Parkplatzsuche, 2 nölende Kinder im Auto
  • wir stehen mindestens 10 Minuten und warten, dass ein Parkplatz frei wird
  • einer wird frei, ein anderes Auto kommt angedüst und fährt in den Parkplatz
  • ich: raus aus dem Auto, die andere Frau: raus aus ihrem geparkten Auto
  • ich bitte sie unhöflich aus „meiner“ Lücke zu fahren
  • sie: geht gar nicht auf mich ein, schließt ihr Auto ab, geht davon
  • ich: nehme Anlauf und trete ihr mit voller Wucht ans Schienbein

Ein No-go was ich da getan habe. Man könnte jetzt sagen: aus, durch und vorbei. Aber mich hat die Situation noch lange beschäftigt. Und zwar “warum, wieso, weshalb” ich so dermaßen heftig reagiert habe.

Dieses Ereignis war kein Einzelfall, emotional und unbesonnen zu reagieren lag (und liegt) mir gut. Drama mag ich heute immer noch, aber in Maßen und eher mit einem Augenzwinkern, ich habe meine Emotionen jetzt viel besser im Griff.

Eine Verkaufstrainerin meinte mal zu mir, ich wäre cholerisch. Das hat gesessen. Und ich habe mir Gedanken gemacht, vor allem zur Stressbewältigung, ich erkannte, Situationen, die bei mir Stress auslösten brachten mich dazu, auszurasten. Heute kenne ich fast nur noch „positiven“ Stress. Aber natürlich gibt es auch immer wieder Momente und Ereignisse mit „negativem“ Stress.

Aber ich lerne, übe und arbeite an mir, nicht übertrieben und unüberlegt zu reagieren. Unterdrücken darf man seine Emotionen allerdings auch nicht, in dem Fall sitzt man auf einem Pulverfass. Man muss sie zulassen und lernen zu kontrollieren. Ich finde es in Ordnung zu heulen, zu schreien oder zu streiten, aber es muss immer der Sache angemessen sein und man sollte auf gar keinen Fall über’s Ziel hinausschießen, wie in der geschilderten Situation bei mir. Genützt hat mir die Aktion damals auch nicht. Ich kann im Nachhinein froh sein, dass ich nicht angezeigt wurde.

Meist ist es nicht die Situation an sich, die eine Emotion, wie Wut, Angst oder Enttäuschung, auslöst, sondern wie wir die Situation bewerten. Und die bewerten wir anders, wenn wir selbst involviert sind. Kommen andere in eine blöde Situation sind wir die Ruhe selbst und haben sofort gute Ratschläge parat. Und warum? Weil wir mit Abstand und von außen auf das Ereignis schauen.

Wir müssen eigentlich ähnlich vorgehen wie beim Meditieren. Bevor wir reagieren, die Sache/Situation/das Ereignis einfach erst einmal wirken lassen und die Gefühle, Gedanken und Empfindungen, die aufploppen, annehmen, betrachten und akzeptieren, nicht bewerten. Und wie in so vielen Situationen hilft es, zuerst einmal kräftig durchzuatmen und sich dabei auf den Atem zu konzentrieren. Schon ein paar tiefe bewusste Atemzüge bewirken, dass man ruhiger wird.

Genauso gut kann man auch ein Mantra aufsagen, immer wieder, zum Beispiel „das ist nichts Persönliches“, und verinnerlicht das dann.

Mir selbst hilft es auch, ein paar Schritte zu gehen, einfach im Kreis oder zum Briefkasten oder eine Runde um den Block. Das hilft mir schnell runterzukommen und meine Gedanken zu sortieren.

Mit diesen Tricks kann man eine erste Überreaktion verhindern, anschließend die Situation in Ruhe bewerten und angemessen reagieren, ohne die Situation noch weiter anzufeuern oder am Ende gar eskalieren zu lassen.

Wie man über ein Ereignis denkt, führt letztendlich dazu wie man sich fühlt. Natürlich kann man negative Gefühle nicht immer in positive umwandeln, soll man auch gar nicht. Und wenn man sich, mit Abstand betrachtet, verletzt fühlt oder ausgenutzt oder, oder, oder, dann sollte man sich zeigen und diese Gefühle auch ansprechen. Damit kommt man mit Sicherheit weiter als mit einer unkontrollierten Reaktion.

Habt Ihr Euch auch schon mal zu einer so unkontrollierten Reaktion hinreißen lassen? Wie habt Ihr Euch dabei gefühlt? Und wie kontrolliert Ihr Eure Emotionen?

Habt einen schönen Montag  und bleibt in Balance.

4 Comments

  1. Wow- ich werde immer brav zu dir sein…
    Im Ernst, das ist ja schon Seeeehr emotional.

    Gut, dass du da an dir gearbeitet hast und arbeitest.
    Wobei ich glaube, im Affekt kann so etwas durchaus passieren.

    Aber wenn ein paar Schritte dazwischenliegen, dann können wir schon etwas runterkommen. Und schlagen- hmm.

    Ausrasten schon. Manchmal rasten wir ja auch an Stellen aus, die gar nicht sooo schlimm waren. Einfach, weil das Fass übergelaufen ist.

    Liebe Und sanfte Grüße
    Nicole

    • Oh ja liebe Nicole, so richtig emotional ausrasten das kann ich, mittlerweile habe ich aber gelernt, bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten. Und heute braucht es auch viel länger, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Aber Du hast etwas angesprochen, den Affekt, den kann man leider fast nicht kalkulieren.
      Ich übe weiter.
      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Sigi

  2. Hi Sigi,
    hach, herrlich! Ich finde es total toll, dass du ein wenig von früher erzählst :)Das ist wirklich schon eine krasse Geschichte mit der Dame, dem Parkplatz und dem Tritt 😀 Auch, wenn das natürlich eine krasse Reaktion war, ist es aber dennoch eine gewesen, für dich einzustehen und Wut ist z. B. bei mir eine Emotion, die ich in meinem Leben nie groß ausgelebt habe (hat auch mit der Kindheit zu tun) – das definitiv das ein oder andere mal gesünder gewesen wäre! Aber so lernen wir alle immer dazu. Und mit Skorpione können echt stachlig werden, meine Mama ist auch einer 😀 Daher denke ich auch, es ist wichtig, Emotionen zuzulassen, damit sie sich lösen und nicht festsetzen, aber sie dann auch wieder ziehen zu lassen und nicht zu lange im “Wieso, weshalb, warum” zu verharren. Musste ich gestern auch sehr dran arbeiten, aber es gibt gute und weniger gute Tage, aber so ist das Leben. Ein Bewusstsein zu schaffen für den Raum zwischen Reiz und Reaktion – das ist schon großes Kino!
    Liebe Grüße!

    • Danke für diesen wunderbaren Kommentar liebe Vanessa und ich bin so bei Dir, auch wenn man noch so achtsam ist, und noch so sehr an sich arbeitet, es gibt immer wieder Momente, wo die Emotionen überschäumen oder man auch einfach einmal austeilen möchte, weil das Leben einfach ungerecht ist. Solange man auch für seine Fehler oder Impulsivität einsteht, gehört das zum Leben einfach dazu.
      Ganz liebe Grüße zu Dir
      Sigi

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