Mindful Muttertag 

statt Mindful Monday

Gestern war es mal wieder so weit: Muttertag. Habt Ihr den gefeiert? Ein herzliches Dankeschön hört wohl jede Mutter gerne, aber muss das unbedingt am Muttertag sein, brauchen wir dafür einen festgelegten Tag? Können wir nicht jeden Tag unsere Mutter lieben, sie wertschätzen und ihr Aufmerksamkeit schenken?

Tatsächlich scheiden sich ja die Geister an diesem Tag. Die einen finden die „Erfindung“ richtig Klasse und feiern den Tag begeistert, andere finden ihn überholt und nicht mehr zeitgemäß und wieder andere haben ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Mutter. Ich bin der Meinung, jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er mit diesem Tag umgeht und einen schönen Tag daraus machen, so oder so.

Ich habe Muttertag geliebt, als unsere Mädels klein waren und den Muttertag „heimlich“ für mich vorbereitet haben, und ganz aufgeregt auf diesen „besonderen“ Tag hingefiebert haben, wo sie für alles zuständig  waren. Ich musste an diesem Tag, als passionierte Frühaufsteherin, im Bett liegen bleiben, Geklapper, Gekicher und Gestreite aus der Küche dabei mitverfolgen, bis endlich alles bereit war, ich aufstehen durfte und es los ging mit Küssen und Umarmungen, Frühstück und Gedichte aufsagen, Gebasteltem und kleinen Geschenken…

Heute bin ich kein wirklicher Muttertag-Fan mehr, ich bin Mutter und habe eine Mutter und für mich ist jeden Tag Muttertag. Nicht nur einmal im Jahr „Danke“ sagen, nicht nur einmal im Jahr sagen „ich habe Dich lieb“.

Wir wohnen alle etliche Kilometer auseinander, denken aneinander, haben uns gegenseitig im Herzen, auch wenn wir uns nicht jeden Tag sehen oder sprechen können. Wir sind füreinander da, hören zu, geben Rat, verbringen schöne Momente miteinander, lachen zusammen, nehmen uns in den Arm und trösten einander, von Mutter zu Tochter, von Tochter zu Mutter.

Mutter und Tochter. Töchter und Mutter. Wir teilen in unsere Familie keinen Alltag, aber führen wundervolle Beziehungen, die bedingungslos und verlässlich sind, nichts verlangen und auch nichts aufrechnen.

Gestern war dann also wieder Muttertag. Wie habe ich ihn verbracht? Meine Töchter haben mir WhatsApp geschrieben „Ich hab Dich lieb und andere Komplimente“ wie an so vielen anderen Tagen des Jahres auch.

Ich verbrachte den Muttertag bei meiner Mutti. Ich bin seit Samstag hier und bleibe noch, nicht wegen Muttertag, ich leiste Ihr nach der Chemo Gesellschaft und bin hier, für den Fall der Fälle, dass es ihr nicht gut gehen sollte. Aber toi, toi, toi, (ich klopfe auf Holz) es geht ihr den Umständen entsprechend gut, und wir konnten einen schönen Ausflug unternehmen.

Ich bin ein großer Fan von kleinen und großen Ausflügen und durch die Tage bei meiner Mutti hatte ich Gelegenheit, einen kleinen Teil meiner „alten“ Heimat neu zu entdecken.

Wir haben das Schloss Rosenau besucht. Hm, das stimmt jetzt so nicht ganz. Es war der Park mit seinen Gebäuden und dem Europäischen Glasmuseum, eine Besichtigung vom Schloss haben wir gar nicht mehr geschafft.

Der Rosenau Park befindet sich in der Nähe von Coburg, ist ein wunderschöner Landschaftspark und Naherholungsgebiet. Das Schloss thront auf einem Hügel in der Mitte des Parks und war der Sommersitz der Herzöge von Sachsen-Coburg-Saalfeld/Sachsen-Coburg und Gotha. Im Park gibt es unter anderem einen Prinzengarten, in dem der kleine Prinz Albert (der spätere Gemahl von Queen Victoria) nach Herzenslust Gärtnern durfte, ein Café Restaurant im ehemaligen Teehaus, eine Orangerie (die heute als Veranstaltungslocation genutzt wird) und das Europäische Museum für Modernes Glas.

Das Europäische Museum für Modernes Glas steht im Park an der Stelle des ehemaligen Obstquartiers des Küchengartens und gehört zu den Kunstsammlungen der Veste Coburg. Im modernen Museumsbau erfährt man so einiges über die Geschichte von Glas, die Produktion und die unterschiedlichen Verarbeitungsmöglichkeiten. Und ehrlich, ich war ganz schön erstaunt, was man aus dem Werkstoff Glas alles so zaubern kann. Meine Erinnerungen und Wissen reichen zurück zum Coburger Glasbläser mit kleinen Figürchen oder nach Murano mit Gläsern, Vasen und Schmuck.

Alle Objekte, Skulpturen, Installationen und Gebrauchsgegenstände, die ich zeige, sind aus Glas. Am meisten fasziniert hat uns die Jacke, die über dem Stuhl hängt. Zu erwähnen ist auch noch der Coburger Glaspreis, der bereits fünf Mal vergeben wurde und viele Exponate davon hier im Museum zu sehen sind. Aktuell gibt es noch bis zum 25. September 2022 eine Sonderausstellung zum Coburger Glaspreis 2022 zu sehen, dessen Gewinner am 9. April bekannt gegeben wurden. Eine wirklich interessante Ausstellung und ein sehr sehenswertes Museum.

Ganz in der Nähe befindet sich das Hotel-Restaurant Alte Mühle in den historischen Mauern der ehemaligen „Göckels-Mühle“, einer Mehl- und Sägemühle. Ein herzlicher Familienbetrieb in einer wunderschönen Location an plätschernden Mühlbächen, direkt am Jakobsweg. Im modernen Restaurant trifft man auf viele Einheimische, die alle mit Namen begrüßt werden und kann hier fränkische und internationalen Gaumenfreuden genießen.

Wir haben außerdem noch einen kleinen Abstecher nach Sonnefeld gemacht, dort gibt es einen kleinen Park mit Teich neben der Domäne, der einen kurzen Spaziergang wert ist und gleich gegenüber steht die Klosterkirche mit ruhigem, hübschen Klostergarten.

Aber mein Highlight am Wochenende war ein Spaghetti-Eis in der Eisdiele Capri in Sonnefeld, wo ganz schnell Erinnerungen wach wurden. Hier habe ich mich als 15jährige mit Freundinnen getroffen, Milchshake getrunken und mit Jungs geflirtet und ob Ihr es glaubt oder nicht, die Chefin Bruna, steht nach 40 Jahren immer noch hinter der Eistheke. Das war wie heimkommen, obwohl Einrichtung und Konzept in all den Jahren verändert und modernisiert wurden. Neuerdings bietet die Eisdiele auch Frühstück an, das werden Mutti und ich heute ausprobieren.

Durch Corona wurde „die eigene Heimat entdecken“ ja sehr populär, ich habe das aber schon immer gerne gemacht. Der Sonntagsausflug ist ein Relikt meiner Kindheit, den ich übernommen haben und wenn möglich, fast jeden Sonntag wieder aufs Neue zelebriere.

Mögt Ihr das auch?

Nächste Woche gibt es an dieser Stelle wieder, wie gewohnt, den Mindful Monday. Habt eine schöne Woche.

11 Comments

  1. Das sieht nach einem sehr gelungenen Tag aus! Wir waren beim Picknick und haben den Murner See umwandert. Alles Gute für dich und deine Mama! Komm gut in die neue Woche. Liebe Grüße Ursula

    • Ja, es war sehr schön liebe Ursula. Aber bei Euch auch, ich habe die Fotos auf Instagram genau angeschaut. Und den Murner See mag ich auch gerne.
      Liebe Grüße und schöne Restwoche
      Sigi

  2. Auch dieser Text ist durchaus ein Mindful Monday finde ich. Denn die ‘Auseinandersetzung’ mit Muttertag ist ja mindful.

    Ich habe gestern festgestellt, dass ich durchaus eine Ambivalenz zu diesem Tag hege. Ja, jeden Tag sollte Muttertag seinund wir uns generell (ob Mutter oder nicht) größtmöglich wertschätzen.
    Aber trotzdem habe ich mich gefreut, dass die Kinder ohne Ansage daran gedacht haben. Und ganz vielleicht wäre es auch ein bisschen komisch gewesen, wenn nicht. Weißt du, wie ich es meine?

    Ich finde es toll, dass du mit deiner Mama so einen besonderen Tag hattest. Und das mit der Eisdiele finde ich süß.

    Spaghettieis, oh ja.

    Habt heute eine feines Frühstück, aber wie ich dich kenne, hast du den Laden aufgeschlossen 😉
    Liebe Grüße und eine schöne Woche,
    Nicole

    • Liebe Nicole, die Eisdiele haben wir leider nicht aufgeschlossen, da ich den Autoschlüssel verbummelt hatte und wir fast gar nicht zum Frühstück gekommen wären. Meine Mutti hat dann im Auto geschaut und da stand es offen und abfahrbereit mit Schlüssel. Glück gehabt, dass es noch da war 🤦‍♀️ Aber auf dem Land kommt so schnell nichts weg. Mit dem Muttertag verstehe ich Dich, auch wenn man ihn nicht wirklich feiert, ist unverhofft dann erst recht schön.
      Und das Frühstück in der Eisdiele war dann wirklich sehr lecker und vor allen Dingen sehr reichlich.
      Liebe Grüße und schöne Restwoche
      Sigi

  3. Liebe Sigi,

    tja, da sprichst Du nicht nur mir, sondern meiner Mutti auch aus der Seele.

    Meine Mutti sagte als Kind mal zu mir, als ich Ihr spontan ein Geschenk von meinem Taschengeld machte.
    “Das Geschenk ist mehr wert als jeder Muttertag”. Als 8 oder 9 jähre hatte ich natürlich verdutzt gesschaut und
    sie hat es mir erklärt. Somit viel der großumhypte Muttertag bei uns etwas anders aus. Ich habe schöne Erinnerungen
    daran. Weil es kein großes Tam Tam darum gab und ich mir auch nicht extra etwas ausdenken musste.

    Demensprechen war ich auch in der Aktion in der Schule nicht so motiviert beim mitmachen, zum Ärger meiner Eltern und
    das wurde beim nächsten Elternsprechtag von meinen Eltern auch beim Lehrer angesprochen, da ich heulend nach Hause kam.

    Leider hatte ich nicht so viele “Muttertage” . Meine Mutte starb mit 41. Genieß einfach jedenen einzelnen Ausflug, Kaffeeklatsch mit deiner Mutter. Das ist auch ein Muttertag.

    Sagemal *schmunzel” die Blaue Tasche ist so schön. Wo gibt es die denn *lach*

    Liebe Grüße
    Elke

    • Das ist eine schöne Geschichte liebe Elke, danke fürs Teilen und ich kann so gut mitfühlen. Tut mir leid, dass Du nicht so viele Muttertage erleben durftest. Und ich mache es tatsächlich wie Du schreibst, ich genieße die gemeinsame Zeit mit meiner Mutti sehr und freue mich immer, wenn wir Zeit finden, etwas Schönes zu unternehmen.
      Die blaue Tasche habe ich zum Geburtstag von einer Freundin bekommen, aber wenn Du möchtest, mache ich gerne einen Kontakt oder frage nach.
      Liebe Grüße
      Sigi

  4. Liebe Sigi, ich bin die, die auf Muttertag nicht so groß Wert legt. Als die Kinder klein waren und im Kindergarten oder Schule kleine Überraschungen vorbereitet haben, da war das noch etwas anderes. Aber an diesem Tag ist immer alles so überteuert, wo das Leben schon teuer genug ist. Für mich ist es nur für die Wirtschaft. Ich freue mich mehr über Kleinigkeiten zwischendurch.
    Aber dein Ausflug mit deiner Mama, das sieht sehr schön und harmonisch aus. So ein Tag ist etwas ganz besonderes.
    Liebe Grüße
    Gudrun

    • Hallo liebe Gudrun, ich sehe das ähnlich mit Muttertag wie Du. Meine Töchter und ich, wir zeigen uns ganz oft, wie sehr wir uns lieb haben, schätzen und gerne zusammen sind. Das ist viel mehr wert als so ein einziger Tag. Die Generation meiner Mutter sieht das noch ein bisschen anders und der Tag mit meiner Mutti war wirklich sehr schön und ich hoffe, wir können das bald wiederholen.
      Herzliche Grüße
      Sigi

  5. Feiertage sind grundsätzlich um an etwas zu erinnern. Ich finde es immer wieder gut, wenn man sich an solchen Tagen ein wenig Gedanken macht (das sollte eigentlich der Sinn der Feiertage sein und nicht yuhu… wir haben frei). Es klingt nach einen interessanten Tag und deine Mutti sieht richtig schick aus! Liebe Grüße!

    • Das ist ein schöner Ansatz liebe Mira und wenn ich ehrlich bin, gehöre ich wohl mittlerweile eher zur Juhu Fraktion. Aber ich nehme mir Deinen Tipp zu Herzen. Der Tag mit meiner Mutti war super.
      Hab noch eine schöne Woche, liebe Grüße
      Sigi

  6. Liebe Sigi,
    das klingt nach einem wunderbaren Sonntag! Ich sehe das genau wie du, um seiner Mutter Zuneigung zu zeigen, muss kein eigener Tag her. Es ist bestimmt schön, so in alten Erinnerungen zu schwelgen…liebe Grüße!

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