Mindful Monday – Game Changer

Game Changer – Wendepunkte im Leben

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“
Franz Kafka

Mit diesem Zitat will ich eine Brücke schlagen zu Game Changern im Leben. Das sind Ereignisse, Wendungen, Kurven, Kreuzungen, Fortschritte oder Ziele, die Durcheinander, Neues und (An)Spannung in unser Leben bringen. Große, kleine, selbst gewählte oder die, auf die wir keinen Einfluß haben.

Ein Game Changer von dem Keiner mehr etwas hören mag, war und ist Corona. Aber letztendlich haben wir die Situation nur in bestimmten Bereichen als Game Changer benutzt, Home Office und alles andere Digitale hat profitiert, wurde zur Normalität und akzeptiert. In anderen Bereichen hoffen viele weiter auf ein zurück zur „Normalität“.

Damit kann ich selbst nicht so viel anfangen, ich lebe heute, im hier und jetzt. Und möchte mir definitiv nicht mit einem Zurückschauen jeden Tag kaputt machen, mit: könnt ich doch dies, wie wäre jetzt das, ach war das schön…

Nach zwei Jahren lebe ich eine „Neue Normalität“ und habe die Veränderungen in meinem Leben zugelassen und lebe gut damit. Klar könnte hier und da mit klugen Konzepten noch Manches nachgebessert werden, aber ein „Vor der Pandemie“ war alles besser wird man von mir nicht hören. Aber vielleicht ist das ja auch meine Grundeinstellung immer Positives zu sehen und zu finden.

Aber auch bei mir gibt es Situationen, Bereiche, Themen und Beziehungen, in denen ich Veränderung nicht zulasse, weil die eingefahrenen und gewohnten Dinge bequem sind und jede Veränderung, sei es privat, beruflich, gesundheitlich, ökologisch oder nachhaltig, heißen würde, das gewohnte Umfeld und die Komfortzone zu verlassen.

Komfortzone verlassen heißt aber doch auch Fortschritt und sich weiterentwickeln. Manchmal muss man einfach erkennen, dass es an der Zeit ist, auf Entwicklungen mit Veränderung zu reagieren, egal ob es sich um eine Krisensituation handelt oder einfach nur um das persönliche Verhalten. Also vorgegebene Strukturen über Bord werfen, einen anderen Weg gehen und mutig Neues schaffen.

Das hat auch etwas mit Freiheit oder sich frei fühlen zu tun. Innere Freiheit ist die Voraussetzung ein Thema im eigenen Leben nachhaltig und effektiv zu verändern. Wandel kann nur entstehen, wenn man sich den ersten Schritt zu gehen traut und sich in Bewegung setzt. Und mit jedem weiteren Schritt entsteht dann der Weg.

Ich selbst war und bin mit meinem Leben immer zufrieden, glücklich und dankbar dafür.

In den letzten Wochen war ich durch mein Kopfkino sehr selbstreflektiert und habe mir über meinen Alltag, meine Beziehungen, meine Zukunft, Ziele, Wünsche und Träume Gedanken gemacht und festgestellt, dass ich zwar glücklich, zufrieden und dankbar bin, mir doch das Eine oder Andere fehlt bzw. zu wenig Raum und Zeit in meinem Alltag einnimmt, dafür aber anderes viel zu viel.

Daraufhin habe ich mir die Warum-Frage gestellt. Warum tue ich, was ich tue? Was, wie, wo macht es Sinn? Was motiviert mich? Wo will ich hin?  Was sind meine Stärken, meine Schwächen, meine wunden Punkte? Und auch die gesellschaftlichen Ansprüche und Konventionen, das „Müssen“, „Funktionieren“ und „Anpassen“, Ängste und Sorgen, habe ich sehr viel überdacht, will ich ja schon länger nicht mehr Everybody‘s Darling sein.

Ich will nicht stehenbleiben, bin neugierig auf alles, was das Leben noch zu bieten hat. Und gerade in diesen Momenten, wo man mit sich alleine ist und reflektiert, in Ruhe, spürt man, was man wirklich will, braucht, was fehlt und vor allem, auf was man verzichten kann. Ich glaube, jeder hat sie, diese kleinen und großen Baustellen, wo es durchaus angebracht wäre, einmal die Komfortzone zu verlassen, sei es auf beruflicher, persönlicher oder seelischer Ebene.

Und die letzten Wochen haben mich feststellen lassen, auch bei mir besteht Handlungsbedarf. Aber wo kann ich ansetzen, worauf kann ich aufbauen?

Aufbauen und verlassen kann ich mich auf mich, meine Selbstliebe, meine Fähigkeiten, meine Kraft und meinen Mut. Ich bin bereit ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht, das gilt sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Wenn ich Herausforderungen oder Sorgen zu bewältigen habe, gehe ich gerne spazieren und komme auch auf diesem Weg der Veränderung Schritt für Schritt näher.

Die Bewegung gibt mir das Gefühl von Freiheit, die ich brauche um mich zu sortieren, und während ich laufe, kommen mir neue Gedanken und Ideen, wird vieles leichter, der Wandel wird angestoßen.

Ich stehe auf dem Standpunkt, wenn wir unsere Gedanken ändern, uns von innen heraus verändern, dann beeinflussen wir auch die äußeren Umstände.

Gibt es etwas, was mich hindern kann, neue Wege zu gehen, die Komfortzone zu verlassen? Ja, die Angst. Das Sicherheitsbedürfnis. Das Kopfkino. Was, wenn ich das oder alles aufgebe und scheitere?

Scheitern gehört dazu, genauso wie wieder aufzustehen, vielleicht auch eine andere oder eine ganz neue Richtung einzuschlagen, aber immer selbstverantwortlich und mutig weiterzugehen und nie die Vision vom Ziel und von der Chance auf Wandel aus den Augen zu verlieren.

Angst kenne ich auch, aber ich habe gelernt, positiv und gelassen nach vorne zu schauen, denn was kann schon passieren. Dinge, die ich nicht ändern kann, muss ich hinnehmen. Und bei den anderen liegt es bei mir, wie ich damit umgehe.

Ich strebe gerade selbst nach Veränderung, mein Game Changer war mein Kopfkino einer möglichen Krankheit, Veränderung in vielen Lebensbereichen, mal größer, mal kleiner, aber immer anders.

Mein Weg ist noch nicht da, nicht vorgefertigt, nicht zum Nachspazieren, ich muss ihn selbst gehen, Schritt für Schritt. Oft alleine. Angst vor dem Alleinsein, vor dem Scheitern und vor den Entscheidungen, die mir auf dem Weg begegnen habe ich nicht, ich kann mir vertrauen und ich glaube an mich.

Und mit jeder Entscheidung gebe ich die Richtung vor, in die mein Weg weitergehen wird und ich erlaube mir, auch mal auf meinen Bauch zu hören, meine Entscheidungen intuitiv, ohne Abwägen des „Für und Wider“ zu treffen.

Meist bin ich auf neuen Wegen allerdings strukturiert, mit Pro- und Kontra-Liste oder einer Mind Map. Ich sammele Ideen und Fakten, strukturiere und bewerte und bin stolz, dass ich nicht in der Komfortzone sitzen geblieben bin.

Der neue Weg bringt nicht nur Entscheidungen und Herausforderungen mit sich, sondern auch Einblicke, Impulse, Verbesserungen, Inspiration und wird mein Leben und meinen Alltag bunter und lebendiger machen.

Es gibt kleine und große Game Changer, jede Veränderung sollte ihren Preis wert sein und das Risiko abgeschätzt werden. Wie hoch ist der Einsatz und was wäre der Worst Case, der passieren kann? Jeder hat andere Motive und andere Grenzen, Wege zu gehen und Veränderungen zuzulassen, aber ich finde, man sollte dies immer mit Begeisterung, Mut und dem Glauben an sich selbst zu tun.

Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und den eigenen Weg zu gehen gibt innere Stärke. Und da ich mit Kafka angefangen habe, höre ich jetzt auch mit Franz Kafka auf:

Verbringe nicht die Zeit mit dem Suchen eines Hindernisses, vielleicht ist keines da.

Und noch ein Tipp, wer einmal auf Kafka’s Spuren wandeln möchte, sollte eine Reise nach Prag ins Auge fassen.

In eigener Sache: Der heutige Beitrag ist ziemlich gut gespickt mit Links zu älteren Beiträgen, das Thema Veränderung ist ein sehr umfangreiches, und eins führt zum anderen, und am Ende gehört alles zusammen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr auch noch den einen oder anderen Artikel zu weiterführenden Gedanken (noch einmal) lesen würdet.

Ich freue mich auf Eure Kommentare zum heutigen Mindful Monday. Tut Ihr Euch leicht, neue Wege einzuschlagen oder haltet Ihr Euch lieber in der altbekannten Komfortzone auf?

16 Comments

  1. Guten Morgen Sigi,
    meine große Veränderung wird bald 1. Manchmal wünschte ich, ich wäre überlegter gewesen, aber wenn ich es gewesen wäre, hätte ich es nicht gemacht. Jetzt schaue ich immermal wieder wehmütig zurück, wissend, dass es Quatsch ist, denn ob nun impulsiv oder nicht…es ist nunmal Fakt, dass eine Veränderung nötig war. Hätte ich die auch anders herbeiführen können?
    Tja…das ist hier die Frage, auf die es nur eine Antwort gibt:
    Hätte, hätte Fahrradkette 🙂

    Anyway. Gute Gedanken. Denke Menschen unseren Alters, möglicherweise besonders Frauen sind sehr empfänglich für den Wunsch nach Veränderung.

    • Mit dem hätte, hätte Fahrradkette hast du es auf den Punkt gebracht liebe Nicole. Es ist wie es ist. Und wenn wir uns entscheiden nach rechts zu gehen, dann gehen wir nicht geradeaus oder nach links. Und gratuliere zum Einjährigen! Respekt 🥰 Ich weiß nicht warum, aber mir fällt ein Gedicht von Erich Fried ein, kennst du es?

      Es ist Unsinn, sagt die Vernunft
      Es ist was es ist, sagt die Liebe
      Es ist Unglück, sagt die Berechnung
      Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst
      Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht
      Es ist was es ist, sagt die Liebe
      Es ist lächerlich, sagt der Stolz
      Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht
      Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung
      Es ist was es ist, sagt die Liebe

      In diesem Sinne, alles Liebe und ein Bussi
      Sigi

  2. Liebe Sigi,
    deine Einstellung zum Leben oder den Dingen des Lebens trifft die meine ziemlich genau. Wobei es für mich auch Luxus bedeutet, eine Komfortzone zu haben. Denn nichts anderes ist Komfort ja auch. Klar, kann und sollte man sie hin und wieder auch verlssen, aber es ist auch gut zu wissen, dass man sie hat. Das ict nämlich nicht so selbstverständlich wie wir immer zu glauben meinen.

    Es gibt das eine oder andere Ding in meiner Vergangenheit, das ich mit dem Wissen von heute anders machen würde.

    Aber ansonsten stimme ich dir zu: Natürlich kann man darin festhängen und dem nachtrauern, was mal ging und war.

    Man kann aber eben auch sagen, jetzt ist es anders und wir machen das beste daraus, was wir können.

    Und dann ist vieles eben auch nicht mehr schlimm.

    Ich wünsche dir allzeit gute Wege und freue mich, wenn ich ein Stück mitgehe.

    Sei gedrückt,
    Nicole

    • Liebe Nicole,
      ich freue mich auch sehr, dass wir ein Stück Weg zusammengehen und bei vielen Lebensdingen ähnlich ticken. Mit Deinem Kommentar hast Du noch mal einen anderen Aspekt auf die Komfortzone mit eingebracht. Luxus und Komfort nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen. Danke dafür.
      Liebe Grüße und schöne Woche
      Sigi

  3. Ich gebe zu, ich tue mich schwer bei neuen Sachen. Ich brauche meine Sicherheit oder zumindest ein Plan B. Ich bin kein spontaner Mensch und gehe ungern auf Risiko. Dennoch, ich gebe dir Recht. Zurück zu Normalität ist schon mittlerweile veraltet. Was ist schon eine Normalität, nach 2 Jahren ständiger Veränderungen. Mittlerweile lebt man von Heute auf Morgen und in voller Bereitschaft. In der Zeit sind viele Menschen neue Wege gegangen und das teilweise unfreiwillig. Ob Krankheit, Jobverlust oder Zwang zum Umdenken und neuen Entscheidungen treffen. Das ist die heutige Normalität und der neue Pfad. Ich wünsche dir eine schöne Woche und sende liebe Grüße!

    • Das hast Du schön geschrieben liebe Mira. Aber ich denke auch Du gehst dann und wann neue Wege, bzw. bist gegangen, und wenn man dafür einen Plan hat oder sogar noch einen Plan B in der Tasche, dann um so besser.
      Herzliche Grüße und eine schöne Woche
      Sigrid

  4. Liebe Sigi, ein Beitrag, bei dem ich so richtig mitfühlen kann und in dem ich mich absolut wiederfinde. Veränderungen gehören zu unserem Leben, auch wenn sie damit ein Herauskommen aus der Komfortzone erfordern. Oftmals haben wir etwas schon im Hinterkopf, verdrängen es aber immer wieder, wir wollen es uns gemütlich machen, keine Risiken eingehen und keine Unsicherheiten auf uns nehmen. Ich kann da sehr gut stunden- oder tagelang die Vor- und Nachteile, das Für und Wider abwägen und nach der Entscheidung ist bei mir dann gerne auch vor den Entscheidung und stelle nochmals alles in Frage und beginne von neuem mit den Überlegungen. Da braucht es dann doch mal einen Input von außen, das kann nun ein Erlebnis sein, eine unvorhergesehene Situation oder auch ein verbaler Hinweis oder ein Gespräch sein – das schlussendlich dazu führt, dass es zu einer kleineren oder auch größeren Veränderung kommt.
    Hab einen ganz wunderbaren Tag, fühl dich gedrückt und alles, alles Liebe Gesa

    • Hallo liebe Gesa, das hast Du wieder sehr schön beschrieben und es freut mich immer sehr zu lesen, wenn Du oder auch einige andere sich in meinen Beiträgen wiederfinden. Um noch einmal auf die Veränderungen zu kommen, ist die Veränderung dann da, denke ich mir schon auch mal, das hättest Du ja schon viel früher haben können, aber manchmal braucht es einfach einen Auslöser, einen Game Changer, um Dinge anzugehen, die schon lange in Gedanken in der Warteschleife stehen.
      Hab einen schönen Tag und ich schicke ganz liebe Grüße
      Sigi

  5. Liebe Sigrid, eine Menge Fragen hast du da aufgeworfen. Veränderungen gehören zum Leben, vor alle zu einem langen. Menschen sterben, Haustiere, Firmen gehen pleite, aber es entsteht auch immer wieder Neues. Neue Verbindungen und Gelegenheiten. Vieles tut weh und braucht Reflexion. Was mich oft tröstet, ist der Gedanke “Wird es dich in einem Jahr immer noch ärgern, belasten?” – das ist bei den allermeisten Dingen nicht der Fall. Es geht immer weiter irgendwie. Freu mich auf Neues mit dir. Herzlich Ursula

    • Liebe Ursula,
      Du hast Recht und gerade führte ich auf der Straße ein Gespräch um das gleiche Thema. Die Quintessenz war auch die, wird das, was Dich jetzt umtreibt, Dich auch nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr noch belasten? Und wie Du schreibst, das ist meist nicht der Fall. Wir lassen viel zu oft Sachen zu nah an uns ran und geben ihnen Raum, den sie nicht verdienen.
      Ich freue mich auch auf unser gemeinsames Projekt.
      Liebe Grüße
      Sigrid

  6. Dear Sigrid, you really are skillfull in hadling these complicated topics, for me it’s not so easy although we talk a lot of similar things in our lives. Personally I have had long paths in many areas in my life but as to job I made a huge change as I decided to left everything (inspite I loved my work) after 35 years and started to live free of everything with my hubby. And it has been one of the best decisions in my life. I started to live a totally new life, free, happy… I understand it’s not easy to everybody but I was in a certain age which enabled all this. And have never regretted a single second .
    Today I will find my path in white snowy landscape 🙂
    I wish you a cozy weekend Sigrid.
    lots of hugs and greetings,
    Maarit

    • Dear Maarit, I love to talk about these topics, they are always on my mind and touch me very much. And I look forward to every single comment here on my blog and I’m happy that you like it. Your personal path is very interesting and I’m glad to hear that you didn’t regret anything. My husband turned sixty one month ago and I would like to go a similar way so as you and your husband as well in the near future. We’ll see how our path will develop.
      Have a great Sunday and I’m missing winter wonderland here in Nürnberg.
      Best regards and a hug
      Sigrid

  7. Liebe Sigrid,

    interessant der Artikel und er passt. Ich hoffe nur, das mein Arbeitgeber das Homeoffice auch nach Corona weiterführt.
    Das und noch so kleinigkeiten, die im Privaten stattgefunden hatten, waren etwas positives an Corona.

    Liebe Grüße
    Elke

    • Hallo liebe Elke,
      ja, ich denke auch, dass Corona nicht nur “Negatives” hatte. Ich kann da für mich auch so ein paar Beispiele aufzählen.
      Vielen Dank und schöne Woche für Dich
      Sigi

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